Vetiver – Up On High

Die Musik von Vetiver kann definitiv als Beruhigungsmittel verwendet werden. Am liebsten auf dem Rücksitz eines staubigen Autos an einem schwülen Sommernachmittag. Fünfzehn Jahre nach dem Debüt mag der Ton ähnlich sein, aber das Maß an Sicherheit und Können hat sich weiterentwickelt. Andy Cabic, der in San Francisco ansässige und häufige Mitarbeiter von Devendra Banhart, hat im Laufe von sechs Alben eine druckvolle Popband mit einer lateinamerikanischen Rhythmusgruppe und ein Elektro-Pop-Kollektiv kreiert. Nach all diesen experimentellen Phasen hat sich Vetiver mit „Up On High“ voll und ganz auf die kalifornischen Fans eingelassen. Das Ergebnis ist ein Album, das unbestreitbar angenehm, aber letztendlich unbefriedigend ist.

Das eröffnende Stück „The Living End“ bestätigt die Reise und schwelgt dabei in – “keeping one step ahead of defeat / Drifting like a notion down the street.” Durch Orgelbeiträge von Eric D. Johnson (Fruit Bats) gewärmt, erinnert die Melodie gleichermaßen an Grateful Dead und an die knackigen, gedämpften Machenschaften von Karate. Überall auf dem Album herrscht eine zurückhaltende Muskulatur, die unter der hellen Akustik leichtfüßig herumtänzelt. Das Album wird von den beiden Tracks „Swaying“ und „Hold Tight“ hervorgehoben. Die Blüten aus früheren R.E.M Zeiten importierten klingelnden Gitarren stehen neben einer knorrigen, aber ziemlich ansteckenden Melodie. Letzteres ist anders als alles in Vetiver’s Katalog und verwendet eine pulsierende 70er-Jahre-Funk-Bass-Grundlage für sanften, schlüpfrigen Jazz-Rock.

Die größte Stärke von „Up On High“ ist vielleicht die größte Schwäche: Es ist eine Platte, die genau das ist, was sie zu sein versucht, ein Folk-Rock-Album, das sich so sehr wie ein Folk-Rock-Album anfühlt, dass man es vergessen hat, sobald es endet. Bis dahin gibt es aber schöne Momente, die „Up on High“ als ein unprätentiöses kalifornisches Haus auf den Klippen über der Küste Kaliforniens erstrahlen lässt.