Tone – Small Arm Of Sea

So unglaublich abstrakt die Beats auf dem Debüt ‚ Small Arm Of Sea ‚ durch fesselnde Klangwelten schleichen, so besonders die Veröffentlichungsstrategien der dänischen Sängerin Sofie Nielsen. Denn Sie wählt in Sachen Vertriebsweg die Creative-Commons-Lizens und setzt dort an, wo Radiohead mit Ihrer letzten Platte ‚ In Rainbows ‚ aufgehört haben. Mit dieser Lizenz ist es erlaubt die Musik weiterzuverbreiten, solange hierbei der Autor genannt wird. Das Debüt stand natürlich ebenfalls kostenlos zum Download auf der offiziellen Homepage bereit und fand seine Veröffentlichung schon Anfang letzten Jahres. Doch Musik wie diese verjährt nicht, sie reift und entfaltet sich in visuellen Soundexperimenten, kombiniert geistige elektronische Zusammenhänge mit einer klaren Linie zur Pop-Sensibilität.

Für so manchen mag nun der Punkt erreicht sein, in dem das geistige Auge einfach abschaltet und mit den zahlreichen Experimenten auf ‚ Small Arm Of Sea ‚ schlussendlich überfordert ist. Denn hier fehlt jegliches Gefühl für kommerzielle Strukturen und auch die visuelle Vielseitigkeit gibt dem Begriff Grenzenlosigkeit eine völlig neue Bedeutung. Doch es funktioniert wenn den zehn Songs genügend Zeit gegeben wird, Zeit sich zu entfalten und Zeit, um selbst einmal in diese phantastische Welt einzutauchen. Denn hier erwartet den Hörer einzigartige Explorationen in malenden Landschaften. Entmutigend wird der Versuch, die Stücke nach dem ersten Betrachten einordnen zu können. Sie bewegen sich manchmal auf Pfaden des Indietronics, doch reicht die Palette an atmosphärischen Ausdrücken viel weiter, es lassen sich Referenzen zu Massive Attack erhaschen und auch der Breakbeat ist bei Tone nicht ganz unerheblich.

In jedem Fall ist es eine undankbare Aufgabe, einzelne Songs aus dieser festen Einheit herauszutrennen. Doch über allen wunderbaren Liedern steht wie ein schützendes Dach, die melancholische Stimme von Sängerin Sofie Nielsen. In Ihr liegt Hoffnung und Verzweiflung gleichermaßen, schafft Licht in Situationen die als verloren geglaubt wurden und fügt mir Ihrer bezaubernden Stimme die kompositorischen Elemente in eine funktionierendes Gleichgewicht. Sie lebt an den Ufern des Limfjorden am Rande der Stadt Aalborg, wurde in Nordjütland geboren und hat es nach drei Jahren geschafft, neben regionalen Interviews und Auftritten auch international beachtet zu werden. Vielleicht ist dieser alternative Weg der Veröffentlichung die Zukunft, doch sicher ist dagegen die anstehende und zweite Mini Tour im Herbst diesen Jahres durch Deutschland. Wir freuen uns darauf.