Those Dancing Days – Daydreams & Nightmares

Wer Those Dancing Days bisher noch nicht kannte, hat definitiv etwas verpasst. Denn die Indie Pop Band aus Schweden besteht zum Einen aus fünf Mädels (den Seltenheitswert dieser Kombination muss an dieser Stelle nicht erläutert werden), und zum Anderen aus einer vielversprechenden Diskographie, die nun Ende Februar um ein weiteres Werk vervollständigt wird. ‚ Fuckarias ‚ nannte sich der musikalische Vorbote und versprach Grosses für die Platte ‚ Daydreams And Nightmares ‚, die über Wichita Recordings / Cooperative Music alles für einen überdurchschnittlichen Hit parat hielt. Mich hat dieser Song fast den ganzen Abend beschäftigt und nach der letzten Rotation dampfte bedrohlicher Rauch aus dem Lüfter. Doch ist diese innige Liebe zu ‚ Fuckarias ‚ begründet oder war es doch der Blick durch eine rosarote Sonnenbrille bei dem Anblick der süßen Sängerin Linnea Jönsson mit Ihren überschäumenden Locken? Am nächsten Morgen sollte die Auflösung folgen. Es war kurz nach zehn Uhr, Zeit für ein Knoppers, der Wecker rumpelte unangenehm durch meine Gehörgänge und da wurde es mir mit einem Schlag bewusst: es war ohne Zweifel die Musik.

Sie hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Dementsprechend unruhig wurde ich in den letzten Tagen zum bevorstehenden Release von ‚ Daydreams And Nightmares ‚. Endlich ist der Tag gekommen, die Platte wurde eingelegt und der Opener ‚ Reaching Forward ‚ nahm seine Arbeit auf. Zu hören sind hier lautstarke Trommeln, eine entzückende Stimme von Linnea, nur leider auch eine vermissende treibende klare Linie, die uns so eindrucksvoll bei ‚ Fuckarias ‚ in den Arsch getreten hat. Das zweite Stück ‚ I’ll Be Yours ‚ klingt wie eine Adaption der australischen Band Operator Please, überzeugt aber mit einem verträumten Refrain und schönen Melodien. Dennoch ist bereits die anfängliche Euphorie durch eine gewisse Ernüchterung ersetzt worden. ‚ Dream About Me ‚ glänzt durch lose Gitarren und einer fehlenden Spontanität. Lustlos wälzen sich Synthies durch einengende Grenzen und ich stelle mir die Frage, wo ist die Angriffslust aus dem Debüt geblieben?

Vieles konzentriert sich auf ‚ Daydreams And Nightmares ‚ auf ein Minimum und fast scheint es, als hätten die Mädels von Those Dancing Days ein wenig zu enge Hosen an. Es fehlt die Luft zum Atmen, nicht weil sich sämtliche Intrumentierungen stapeln, sondern weil schlicht und ergreifend keine Alternativen im Songwriting aufgezeigt werden. Es dümpelt munter durch fröhliche Melodien, ein heiterer Himmel blickt von oben herab und trotzdem will sich kein Lächeln auf unseren Gesichtern abzeichnen. Eine kleine Besserung beschert uns ‚ Can’t Find Entrance ‚ mit einem flüssigen Rhythmus und herrlicher Harmonie. Das Gefühl der innigen Liebe ist zurück und steigert sich dementsprechend mit ‚ Fuckarias ‚ im direkten Anschluss. Und wer hätte damit noch gerechnet, auch ‚ Forest Of Love ‚ verzaubert unsere Sinne und erscheint als surreale Pralinenschachtel vor unserem geistigen Auge. ‚ I Know Where You Live pt. 2 ‚ zeigt am Ende den deutlichsten Vergleich zum ersten Stück ‚ I Know Where You Live ‚ und dessen Debüt aus dem Jahr 2008.

Dort war alles in Bewegung, hüpfte, klopfte, täuschte an und verlor dennoch nie die Kontrolle über das eigene Handeln. Im Jahr 2011 ist dieses lockere Auftreten einer leichten Verkrampfung gewichen, die Ecken und Kanten wurden abgerundet, der Sound eher konventionell gestaltet und lässt ‚ Daydreams And Nightmares ‚ schlussendlich nicht unbedingt zu einer schlechten Sache avancieren, aber meine Tagträume (und Alpträume) haben eine deutlich höhere Intensität als das meiste auf der zweiten Platte von Those Dancing Days. Und das will abschließend schon einiges heißen.