The XX – XX

Bei keiner anderen Band in diesem Jahr passt der Ausdruck, „Es schlug ein wie eine Bombe“, besser als bei The XX aus London. Schon bei dem ersten Track ‚ VCR ‚ genügte der Chorus um zu wissen, dieses Album wird man bis zum letzten Track nicht mehr aus der Hand geben. Und genau so sollte es schlussendlich auch eintreten. Aufgenommen wurde die Platte in einer kleinen Garage, die Teil der XL Recording Studios ist, und meistens bei Nacht. Produziert von Jamie Smith und Rodaidh McDonald erschien das Wunderwerk auf dem Label Young Turks. Das erste dicke Ausrufezeichen setzte das Quartett mit Ihrer ersten Single ‚ Crystalised ‚, die Single Of The Week im englischen iTunes Store wurde. Darauf zu finden sind Gitarren voller Sehnsüchte, emotionale Spannungen und ein unübertroffenes Niveau mit der Stimme als Kernstück.

Unglaublich beeindruckend ist auch die Tatsache, dass The XX auf jegliche Spielereien verzichten können. Mit Ihren jungen 19 Jahren verstehen Sie es wie kaum Andere, die Melodien gleiten zu lassen. Jedes große Glasvegas Gitarrenriff, Bass-Linien von Joy Division oder die bissig elektronischen Handclaps sind da, weil Sie an dieser Stelle gebraucht werden. Freude und Melancholie liegen hier sehr eng beieinander und kreiert damit eine fast intime wie beruhigende Atmosphäre. The XX kommen aus dem dunklen Nichts, ähnlich wie bei dem damaligen Debüt von Arcade Fire. Es ist schwierig sich dieses Werk mit der vollkommenen seismischen  Auswirkung in seiner Gänze vorzustellen, und trotzdem verliert das Album nie an Freude, versprüht dezent seinen Charme inzwischen wunderschöner Kompositionen.

Sie verführen uns in einem ansprechenden Mittelweg aus Unmittelbarkeit und Ambiente. Umso beeindruckender wenn man bedenkt, mit welch jungen Jahren dieses Quartett subtile Variationen der Umgebungstemperatur anpasst, sexuelle Spannungen einfließen und wohl dosiert den langsamen Zauber der ätherischen Klanglandschaften in unsere Venen entgleiten lässt. Man spürt an allen Stellen das gegenseitige Vertrauen, die blind laufenden Abstimmungen, die nachdenkliche Stimmung und den zögerlichen Optimismus.“But if stars shouldn’t shine/ By the very first time/ Then, dear, it’s fine, so fine by me/ ‚Cause we can give it time, so much time/ With me“. Es ist ein perfekt ausgeführtes Debüt, dessen schlichte Freude die wertvollste Erfahrung in diesem Jahr sein wird.

9.6