The Hidden Cameras – The Smell Of Our Own

The Hidden Cameras aus Ontanio, Kanada. Eine Band, wie Sie es wohl nur dort geben kann. Doch ist es bei einem näheren Blick überhaupt nicht die Band an sich, sondern vielmehr der Sänger Joel Gibb. Er ist der Mann mit den Fäden in der Hand, er kreiert diesen himmlischen Sound, diese „Gay Folk church music“ mit den detailierten Texten über Lust und Liebe, die stets in witzigen Metaphern an unsere Ohren herangetragen werden. Da zählen natürlich ebenso die dazugehörigen Gerüche und Flecken, Flecken die sich nach Ihrem Debüt ‚ Ecce Homo ‚ aus dem Jahr 2001 nur noch vergrößert haben und Gerüche, die nicht besser duften könnten. Es klingt im ersten Moment wie ein Widerspruch. Eine Kontradiktion, bei der von der Wahrheit der einen Aussage auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann. Doch welche der Aussagen ist falsch? Denn wie man es auch wenden möchte, die Gedanken an Flecken und Gerüche, das Eklige, es harmoniert mit den sanften und reinen Melodien der Songs wie kaum etwas vergleichbares.

Zwischen drei und elf Apostel unterstützen Ihn dabei, verbreiten das Evangelium von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt. Dieses Szenario spielt sich wiederum nicht im klassischen Sinne ab. Statt Menschen in Kutten, sehen wir tanzende Go-Go Tänzerinnen, Anstelle von Büchern werden uns Filme und deren Texte an die Wände projiziert, dazu Cheerleader die laut sämtliche Buchstaben der Hidden Cameras in die Menge rufen und dabei Ihre bunten Puschel durch die Lüfte schwingen und dabei von einem gigantischer Chor getragen werden. Herrlich wie sich diese bunte Farbenpracht unglaublich beschwingt und locker auf die Stimmung des Hörers gleiten lässt. Wärme und positive Energien werden freigesetzt und nehmen dabei Gebrauch von sämtlichen Instrumenten: Drum Machines, akustische und elektrische Gitarren, kleine und große Glockenspiele, Bass, Guiro, Tamburin, Maultrommel und Orgel.

Das alles wurde auf seinem Vier-Spur Gerät vor zwei Jahren aufgenommen und anschließend auf CD gebrannt. Nun endlich, und auch Dank dem Debüt, erfahren diese Stücke die ungeteilte Aufmerksamkeit in voller Güte. Und dementsprechend auch die Texte, wie das phantastische ‚ Ban Marriage ‚, eine subversive und witzige Antwort auf die endlosen juristischen Auseinandersetzungen rund um homosexuelle Ehen. Ebenfalls im Mittelpunkt stehen ‚ Boys Of Melody ‚ und ‚ The Man That I Am With My Man ‚ deren Melodien einfach nur mit einem Wort beschrieben werden können: Traumhaft. Man würde es nicht glauben, das ein Mann alleine im Stande ist, solche zeitlosen Hymnen zu schreiben. Hymnen die als eine beginnen und als eine enden. ‚ Smells Like Happiness ‚ zählt dazu, wie ‚ The Animals Of Prey ‚ und ‚ A Miracle ‚.

Alles auf ‚ The Smell Of Our Own ‚ zeichnet sich durch seinen individuellen und einfühlsamen Charme aus. Nichts klingt uninspiriert, nichts bezaubert so wie die oft erwähnten Textzeilen: „Happiness has a smell I inhale like a drug… it is the smell of old cum on the rug“ und niemand singt so offen und unbekümmert über die Themen Sex, Homosexualität, radikale Politik und gleichgeschlechtliche Ehen wie Joel Gibb. Eine unbestrittene Tatsache. Ach der Frühling, war er schon jemals schöner als in diesem Jahr? Kaum. Endlich gibt es zur schönsten Zeit im Jahr auch die schönste Musik. Sinnlich, tragisch, zuckersüß und berauschend blicken wir in diesen Tagen durch eine rosarote Brille. Alles ist gut, wir verspüren eine grenzenlose Freiheit und überhaupt ging es uns zu diesem Zeitpunkt noch nie besser.