Forest & Crispian – Morgenlands

Ein galoppierender Eröffnungssmarsch erwartet den Hörer zu Beginn des dritten Albums ‚ Morgenlands ‚ der schwedischen Gruppe von Forest and Crispian. Treibende Melodien, ausschweifende Arrangements und starke Texte. Das Quartett öffnet dem Hörer aber auch andere Seiten, nämlich wenn im dritten Stück ‚ Women And Children First ‚ eine anschwellende Dramaturgie heraufbeschworen wird, nur um im weiteren Verlauf diese durch rhythmisch dahinfließende Landschaften auseinander zu nehmen und irgendwie am Ende in einem mitwippenden Kinderlied zu landen. Verwandelte Instrumente, warme Melodien, die melancholischen Strudel und die spürbare Freude an jedem einzelnen dieser Akkorde lassen bereits in diesen frühen Minuten ein Meisterwerk erahnen. ‚ Morgenlands ‚ wird den hohen Erwartungen tatsächlich bis zum Ende mehr als gerecht. Ein sensibles, übergelaufenes, ungeheuerlich ausdrucksstarkes Faß machen Forest and Crispian hier auf. Dazwischen verfeinert die Band aus Schweden Ihre Platte in regelmäßigen Abständen mit kleinen Zwischenspielen und sogar der deutsche Anhänger wurden in ‚ Salome ‚ bedacht – wenngleich ich beim besten Willen nicht alles verstehen konnte. Aber zurück: Die Aufnahmen wurden von Per Sunding produziert. er verhalf bereits Künstlern wie den Cardigans oder Peter, Björn und John zu Erfolg und auch den vier Musikern wird hoffentlich bald ähnliches hierzulande passieren. Denn neben Ihrer Musik legen Tomas, Adam, Karl-Johan und Susannah extrem viel Wert auf Ihre Erscheinung. Liveauftritte sind sehenswert. Den Beweis liefere ich euch am Ende der Kritik. Bis dahin ein weiteres Highlight mit ‚ This Ain’t a Song for People Wanting to Have Fun ‚ und den wahnsinnig tiefgehenden stilistischen Wechseln. Es scheint manchmal so, als überlassen Forest and Crispian Ihren Rhythmus dem Schicksal und dieses wiederum hat mächtig Spaß daran gefunden, den besagten Rhythmus kontinuierlich in eine andere Richtung zu schubsen. Aber kein Problem für die Gruppe! Ihr Motto: Niemals kann der Moment stimmen. Niemals kann man richtig vorbereitet sein. Einfach das Beste daraus machen. Und wenn es einmal schnurgerade dahinläuft, wie im Stück ‚ Let The Best Band Win ‚ – dann ist das einfach nur bedingungslose und absolute Hingabe – in dem selbst das Schicksal nur staunend in die Hände klatschen kann. Doch dann wird erneut eingegriffen und plötzlich wabbern in ‚ I Don’t Want to Be Laughed At ‚ schwerfällige Beats unter den hohen Gesängen hindurch. Und glaubt man jetzt alles gehört zu haben, schütteln Forest and Crispian eine ungeheuerlich lässige Nummer aus dem Ärmel. ‚ Everyone’s Entitled to a War Machine ‚ erzeugt monströse Tanzbarkeit – wenngleich natürlich auf ganz eigene Art und Weise. Nichts folgt hier bekannten Mustern, jede Nummer ist eine kleine Überraschungstüte. Außer vielleicht ‚ Oh Copenhagen ‚ am Ende, dass bleibt tatsächlich so wie es ist. Eine dahinschmelzende Ode, die zugleich ein 36 Minuten langes Meisterwerk anrührend beendet.