Parquet Courts – Wide Awake!

Wenn die Veröffentlichungen anderer Bands enttäuschen, nichts am Start haben oder sich gar aufgelöst haben, dann helfen uns die Parquet Courts. Denn diese Herrschaften sind unerbittlich in Bezug auf Sound, Ideologie, Tourneen und Release-Frequenz. Es gibt immer etwas von jemandem in der Band, das kurz vor der Veröffentlichung steht – und auch deshalb ist es so überraschend und verdammt erfreulich, dass das Ergebnis immer so unglaublich gut klingt. Drei unglaubliche Platten und eine Handvoll Singles – es scheint erstaunlich, dass das Songwriting-Team um Andrew Savage und Austin Brown (unterstützt von Andrew’s Bruder Max am Schlagzeug und Sean Yeaton am Bass) in der Lage war, nicht nur konsequent den besten Indie-Rock des Jahrzehnts zu produzieren, sondern sich mit jeder Veröffentlichung zu übertreffen.

In der Tat, mit „Wide Awake!“ gibt es vielleicht die meist erwachte Punkrock-Platte seit der Blütezeit von The Clash. Und diese beginnt mit einem sehr stilistisch passenden Fußball-Gesang. „Total Football“ ist ein Wire-ähnlicher Energieschub, ein klingender Ruf nach Konsens, der die „Staubpartikel“ des letzten Albums in „Elektrizitätsleitungen“ verwandelt. Am Ende von „Total Football“, der fesselnden Einführung in das wundersame und unverblümte neue Album gibt es dann noch ein lyrisches Sperrfeuer: „Swapping parts and roles is not acting but rather emancipation from expectation / Collectivism and autonomy are not mutually exclusive / Those who find discomfort in your goals of liberation will be issued no apology / F*** Tom Brady.“

Kurz nach der Mitte passiert plötzlich etwas interessantes. Die Parquet Courts ziehen einen Joker aus dem Deck, der zu einem verrückten und verdammt coolen Ergebniss führt: Der Titeltrack „Wide Awake!“ klingt wie der mutierte Nachwuchs aus der Light-Epoche von den Talking Heads. Mit „Extinction“ gibt es kurz darauf einen glorreichen Pop-Punk-Riff, ein Kinderchor während „Death Will Bring Change“, der an die Rolling Stones erinnert, ertönt im Folgenden: „You Can’t Always Get What You Want” und zeigt Brown’s ausschweifende Meditation über Sterblichkeit, die sich nach Befreiung sehnt. Im letzten Stück des Albums folgt ein Bo-Diddley-artiger Beat und ein herrliches New-Orleans-Honky-Tonk-Piano-Shuffle.

Mit 13 Tracks und knapp 40 Minuten Spielzeit zeigt „Wide Awake!“ vielleicht die bisher größte emotionale Bandbreite der Band mit einem gesunden Maß an Wut. Es gibt im Moment ziemlich viel, worüber man sich ärgern kann, aber die Parquet Courts erinnern uns mit dieser Platte daran, einfach mal wieder abzuschalten, zu Tanzen und Spaß zu haben.

8.6