The Drums – Brutalism

Es ist trügerisch The Drums als „Band“ zu bezeichnen. Die in Brooklyn beheimatete Gruppe begann ihre Karriere als Quartett und veröffentlichte 2010 ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Bis zu ihrem vierten Album „Abysmal Thoughts“ im Jahr 2017 schrumpfte die Band auf das letzte verbliebene Mitglied zusammen. Doch Sänger Jonny Pierce bietet auch auf dem fünften Album „Brutalism“ viel ansprechendes Material und erzählt über seine schmerzhafte Scheidung, die schwierigen Situationen seines neuen Lebens und so ist „Brutalism“ gewissermaßen auch eine Therapie. Pierce konzentriert sich auf seine psychische Gesundheit und präsentiert uns ein tief empfundenes, lyrisch dichtes Album.

„Pretty Cloud“ klingt wie eine zufällige Auswahl an Samples, die niemals sonst irgendwo in einer zusammenhängenden Einheit zu finden wären. Pierce ist in der Lage, komplexe Klangschichten als eine reiche Kleinigkeit zu verkaufen. Die erste Single „Body Chemistry“ ist eine ebenso kluge Wahl, ein heller aufrichtiger Song, eine Hymne für ängstliche Zeiten. Auf „626 Bedford Avenue“ erinnert sich Pierce an eine verdammte Romanze und blickt ihr trotzig ins Gesicht: „I think I regret that night of kissing you / I fell in love and you treat me like shit / But I keep on coming back.“ Haben wir das nicht alle schon einmal erlebt?

Der Titel des Albums kann aber auch romantisch verstanden werden, wenn beispielsweise auf dem treibenden Titeltrack im schicken Robotergewand Pierce singt: „Baby by now you must know / That this love is brutal / Beyond physical, supernatural / And fully irrational.“ „Brutalism“ zeigt uns wie man mit Unsicherheit fertig wird und die schmerzende Vergangenheit aus dem Leben entfernt. Die Art und Weise, wie Pierce über einige seiner persönlichen Erfahrungen spricht klingt fast so, als wäre er dabei sich selbst zu überzeugen, dass alles in Ordnung sein wird.

Einer der besten Momente des Albums stammt vom abschließenden Song. „Blip of Joy“ ist der perfekte Track, um alles was „Brutalism“ verkörpert, zusammenzufassen. Ja es ist ein wunderschönes Album, das sowohl freudige Gipfel als auch herzzerreißende Abgründe bietet. Der gemeinsame Faden dieser beiden Extreme ist daher auch eine Anerkennung der guten Zeiten und der Akzeptanz an die schlechten Zeiten.

7.1