Hockey – Mind Chaos

Würde man jetzt oberflächlich und gemein agieren, müsste man den Herren von Hockey das reine Blendertum unter die Nase reiben. Und zwar solange bis diese in leuchtend roten Farben in die kalte September Nacht strahlt. Immerhin lassen uns Hockey in den ersten Minuten kräftig an Fahrt aufnehmen, wir werden schneller und schneller, der Refrain gnadenlos eingängig, die Strophen verleiten zum mitsingen und schlussendlich heben wir vom Boden ab. ‚ Too Fake ‚ lässt das Unmögliche real erscheinen. Doch der besagte Schein ist trügerisch. Denn bereits mit dem nächsten Track ‚ 3am Spanish ‚ wird man beim ersten Mal eine katastrophale Bruchlandung in Kauf nehmen müssen. Zu plötzlich ist der Wechsel zum wahren Sound von Hockey. Zu unvermittelt wird man in die Anfangs triste Realität gestoßen. Fressen oder gefressen werden lautet hier das Motto. Und doch besteht Hoffnung. Ein kleiner heller Schein eröffnet sich am fernen Horizont. Zaghaft bewegen wir einen Schritt vor den Anderen. Es wird klarer, die Konturen fühlen sich mit dem nächsten Stück ‚ Learn To Lose ‚ verständnisvoller an, die Aufklärung nimmt Ihren Lauf und zaghaft können wir uns mit dieser neuen Welt anfreunden. Es ist wahrlich keine leichte Aufgabe für den Hörer wieder in die Platte hinein zukommen. Refrains werden nicht mehr ausgefahren, die zielgerichteten Melodien weichen entspannenden und souligen Vocals. Funky Bass-Linien vermischen sich mit dem klassischen Indie Rock. Doch alles bei weitem nicht so wild und laut wie der anfängliche Elan auf dem Opener. Aber der Schein rückt immer näher und macht seinen ersten großen Schritt mit ‚ Song Away ‚. Catchy und fast schon arrogant locken Sie den Hörer wieder mit eingängigen Strophen und leichten Rhythmen. Schnell spürt man die eintretende Sucht wieder, alles um uns herum wird bunt und verschwommen, die Außenwelt ist nur noch ein unscharfes Gebilde und hinterlässt einen klaren Ansatz, den Hockey aufgreifen und mit verträumten Blick in Ihre Songs einflechten. Der bestimmende Einfluss sind die 80er Jahre und das Album selbst überzeugt mit Ideen, von denen die meisten gut sind, doch leider sind fast alle von Ihnen widersprüchlich. Es gibt insgesamt wenig Zusammenhalt, keine Konstanten, keine anziehende Bindung untereinander. Das Endergebnis klingt damit ein wenig überladen. ‚ Mind Chaos ‚ wirkt unfertig und noch in der Entstehung. Aber eines verwehren uns Hockey und man kann Ihnen im Nachhinein wirklich dankbar sein: Der vermeintlich Nahe und gleißende Schein rückt mit dem Ende von ‚ Everyone’s The Same Age ‚ wieder in weite Ferne. Die Bilder vor unserem geistigen Auge lösen sich in Ihre Bestandteile auf und lassen kein glückliches Ende für den Hörer entstehen. Nüchtern betrachtet kann das wiederum nur zu einem Schluss führen: Die Fortsetzung ist bereits in der Entstehung.

7.4