Tempers – Private Life

Jasmine Golestaneh und Eddie Cooper vereinen auf Ihrem dritten Album „Private Life“ gewohnt wohlklingende Einflüsse aus Coldwave, Postpunk, Shoegaze – und beweisen ein Händchen für melancholisch-romantische Melodien mit unheilvoll pulsierenden Beats. Golestaneh’s Gesang hat seit ihrem Debütalbum „Services“ aus dem Jahr 2015 eine launischen und morbiden Ton angenommen. „Capital Pains“, der erste Track von „Private Life“, gibt den Takt für ihre dunkle und moderne Variante europäischer Tanzbeats an. Der Sound ähnelt den verhängnisvollen und hektischen Tracks auf „Psycho Tropical Berlin“ von La Femme. Im Gegensatz zu La Femme tendieren die Tempers dazu, immer mehr Post-Punk und Gothic zu spielen, anstatt vom spukenden 60er-Jahre-Lounge-Pop zum verzerrten Rock zu springen, wie es La Femme machen.

Die Tempers starten mit nachhallbeschichteten Gitarrensounds, die von einem Post-Punk-Dance-Beat festgenagelt werden. Ein herrlich vertrauter Sound, der zu den vorherigen Alben anknüpft. Der Refrain bildet die scheinbar herzzerreißende Hymne, in der Golestaneh ruft: “I don’t want it anyway / I don’t even want it anyway now.” Das hintere Ende dieses Refrains wird durch die Verzerrung, den Nachhall und das Echo mitgerissen, als würde dieser uns noch tiefer in eine Höhle hineinziehen. Die eiskalte elektronische Darkwave-Mischung begleitet uns auch im weiteren Verlauf durch die unendlichen Dimensionen Ihres Spektrums und bietet eine ausgewogene Fortsetzung der filmischen Ästhetik. „Peace Of Mind“ ringt mit der Einsamkeit, sich vom Zustand der Dinge überwältigt fühlen und der Hoffnung, mit Phantasie und Willen Veränderung zu schaffen.

Während wir als Zuhörer durch den düsteren und fast apathischen Gesang pendeln, sind es die Emotionen, die durch die fast performative Apathie auf der Oberfläche des Gesangs tänzeln und uns zu tiefster Trauer führen. „Leonard Cohen Afterworld“ ist hierbei der unumstrittene Höhepunkt und klingt wie ein langsamer Schlag, wie ein Tanzstück, das mit der falschen Geschwindigkeit gespielt wird. Das Album schließt mit dem Titel „Exit“. Die Komposition beginnt mit einem bedrohlichen Chor. Für drei Minuten baut der Song die Intensität des Chores auf, bis dieser dann Synthesizer und eine gedämpfte Gitarrenlinie bei 2:46 in die Stille fallen lässt. Und damit endet vorerst die eiskalte Reise durch ein komplexes Innenleben aus Einsamkeit und Verzweiflung.