The Pretty Reckless – Death By Rock And Roll

Die New Yorker von THE PRETTY RECKLESS ließen Ruhm im ersten Jahrzehnt wie ihr Schicksal erscheinen. Bis Chris Cornell’s Tod eine Support-Tour mit Soundgarden zunichte machte und Produzent Kato Khandwala bei einem Fahrradunfall starb.

Mit „Death By Rock and Roll“ versuchen The Pretty Reckless nun das zurückzugewinnen, was sie einst auszeichnete. Zum Glück ist es gelungen. Der erste Track, den The Pretty Reckless für „Death By Rock And Roll“ aufgenommen haben, war „25“, in Anlehnung an die Sängerin Taylor Momsen, die 2018 ein Vierteljahrhundert alt wurde. Es scheint, dass niemand mehr überrascht war, dass sie diesen Meilenstein erreicht hatte, als sie selbst. ​“You should judge music simply on what’s the best song”, singt Taylor über ein launisches Treffen von Gitarre und Trommel, das dem Eröffnungsthema eines James-Bond-Films ähnelt, bis hin zum typischen musikalischen Motiv des Franchise. Vielleicht ist es absichtlich: ein Lied über die Distanz in der Welt eines Mannes, das die Kleidung einer der berühmtesten – und sexistischsten – männlichen Figuren in der Unterhaltung trägt? Ob absichtlich oder nicht, es ist ein großartiges Lied. Und eines von vielen.

Abgesehen davon, dass es sich um ein Album mit dem Titel „Death By Rock And Roll“ handelt, gibt es Hinweise darauf, dass Taylor mehr an der künstlerischen Langlebigkeit interessiert ist: “You should judge music simply on what’s the best song”, war ihre Antwort, als sie kürzlich nach der geschlechtsspezifischen Ungleichheit des Rock gefragt wurde. Hier besteht damit kein Zweifel, warum sie und ihre Bandkollegen dafür gesorgt haben, dass dies ihre bisher selbstbewussteste Sammlung ist, voller überzeugender Rocksongs, in denen Taylor – deren Stimme innerhalb der Songs eine herausragende Rolle spielt – sich mit einer Vielzahl wichtiger Themen befasst. Angetrieben von Trauer und Herzschmerz, erleben wir in den folgenden Minuten ein theatralisches Hard Rock Spektakel vom Feinsten.

„And So It Went“ ist eine rohe und energiegeladene Zusammenarbeit mit dem Gitarrengott Tom Morello und erstürmt unsere Gehörgänge mit knurrender Intensität. Das finstere „Only Love Can Save Me Now“ verstärkt die Grunge-Stimmung mit Auftritten von Matt Cameron und Kim Thayil von Soundgarden. Das akustische „Standing At The Wall“ ist ähnlich karikaturistisch für The Pretty Reckless, und die verführerischen Power-Akkorde des Songs schleichen sich in Richtung des inspirierten Songwritings der früheren Hits. Und dann singt Momsen: “A lot of la di da da das when we were young / With no memories to weigh us down / And life was fun”, ein seltener, verlockender Blick auf die Persönlichkeit hinter der Person. Von „Death By Rock and Roll“ wegzukommen stellt sich am Ende als Herausforderung dar und macht diese Platte damit zu einem hervorragend vierten Album.

8.2