RADIOHEAD OK Computer
RADIOHEAD veröffentlichen mit OK COMPUTER ein visionäres Album zwischen dystopischem Art Rock, melancholischer Intensität und silbrigen Klanglandschaften, das Technologie, Entfremdung und fragile Stimmen neu verhandelt.
Mit ihrem dritten Album „OK Computer“ werfen Radiohead das Korsett klassischer Rockhymnen endgültig ab und betreten ein Terrain, das zugleich faszinierend und verstörend wirkt. Nach dem melodisch zugänglichen „The Bends“ überrascht die Band mit einem Werk, das sich nicht an Konventionen hält. Statt klarer Strukturen entfalten sich lose verknotete Klangräume, in denen digitale Störungen, vielschichtige Gitarren und Thom Yorke’s fragile Stimme ein dystopisches Bild formen.
Schon der Auftakt „Airbag“ klingt wie ein Unfallbericht, in dem Schlagzeug und verzerrte Basslinien das Zerbrechliche der menschlichen Existenz betonen. Yorke singt von Wiedergeburt, von der Absurdität, einem Zusammenstoß entronnen zu sein: „In an interstellar burst, I’m back to save the universe.“ Gleich darauf folgt mit „Paranoid Android“ ein Stück, das sich über sechs Minuten in mehrere Teile zerlegt – mal zart, mal aggressiv, mit hymnischen Chören und brutalen Gitarrenschüben. Selten klang britischer Rock so ambivalent.
Doch das Album ist mehr als Experiment. „Subterranean Homesick Alien“ lässt mit schwebenden Gitarren und entrücktem Gesang den Traum von Entfremdung zur bittersüßen Fantasie werden. „Exit Music (For a Film)“ legt eine bleierne Schwere über die Mitte der Platte, beinahe erdrückend, doch gerade dadurch ein Kontrast zu dem hell flimmernden „Let Down“, in dem Yorke den Stillstand moderner Transportwege in poetische Bilder verwandelt. Mit „Karma Police“ gelingt Radiohead dann ein Stück, das zwischen sardonischem Spott und klarem Popmoment pendelt: „This is what you get when you mess with us.“
Das Cover greift diese Atmosphäre auf. Autobahnen und schemenhafte Gestalten verschwimmen in einer kalten, silbrig-blauen Collage. Es sieht aus wie ein Röntgenbild der Moderne, kühl, überstrahlt, von Linien und Fragmenten durchzogen. Es ist nicht bloß Zierde, sondern Teil des Konzepts: eine visuelle Entsprechung zur Klangsprache des Albums. Mit „OK Computer“ legen Radiohead ein Werk vor, das sich der einfachen Einordnung verweigert. Es ist kein Stadionrock, kein reines Art-Rock-Statement, sondern eine Störung im Mainstream – ein Album, das die Unruhe des Jahres 1997 hörbar macht.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
