CocoRosie – Tales Of A GrassWidow

Aufbrausende Wellen, schwimmende Körper und lodernde Flammen werden getragen von einem traurigen Klavier, pikarischen Textzeilen und von gelegentlich aufstoßenden Synths. In ‚ After The Afterlife ‚ erinnert sich ein verstorbener Erzähler an Details aus der realen Welt, die nunmehr unerreichbar sind. Tolle Aufnahmen liefert dazu auch das Musikvideo, welches von Mike Basich in Hawaii gedreht wurde. Im zweiten Stück ‚ Tears For Animals ‚ hören wir plötzlich Antony Hegarty (Antony and the Johnsons, Hercules and Love Affair), dem langjährigen Freund der Beiden. Und welch ausdrucksstarkte Persönlichkeit der Mann aus England besitzt, darf man erneut während diesen fünf Minuten erleben: denn fast scheint es so, als wären hier Sierra und Bianca Casady die musikalischen Gäste. ‚ Child Bride ‚ stampft mit druckvollen Beats zu konterkarierten Bildern, die als wehendes Gras vor dem Fenster die Geschichte eines Mädchens erzählen, das von seiner Familie weg gegeben wurde. ‚ Broken Chariot ‚ ist das folgende Gegenstück und zelebriert einmal mehr die faszinierenden Eigenschaften von CocoRosie: Wohlklang, Experiment und Abweisung. Bei ‚ End Of Time ‚ hätte man sich dann jedoch mehr gewünscht. Der misanthropische Singsang fühlt sich zwar wie ein lang gehegter grenzüberschreitender Impuls an – doch fehlt der letzte Schwung, die nutzbringende Energie in direkte emotionale Appelle umzuleiten. So bietet ‚ End Of Time ‚ nichts neues und bietet dazu ein Thema an, dass bereits bis zum Überdruss verwendet wurde. ‚ Harmless Monster ‚ schmeckt stark nach billigem Seifenwasser und darf daher in erster Linie als sentimentale Störung wahrgenommen werden. ‚ Gravediggress ‚ steht repräsentativ für das Leitmotiv des Albums, welches CocoRosie selbst als „transformative ecstasy in the face of harmful neglect” beschreiben. ‚ Gravediggress ‚ erzählt die Geschichte einer imaginären Unterhaltung, bei der ein Waisenkind eine Totengräberin darum bittet, seine Liebe zu begraben, um diese zu beschützen und sicher aufzubewahren: “Gravediggress dig me a hole I can bury, all of my love in, all of my holy”. Währenddessen hüpft ‚ Far Away ‚ über unspektakuläre Strukturen, bis wir uns kurz darauf mit ‚ Roots Of My Hair ‚ in einem wunderschönen Wiegenlied wiederfinden. ‚ Villain ‚ klingt wir ein Dubstep remix, der gerade auf einer verschwitzten Tanzfläche gespielt wird. Die Schwestern verweben ihre Stimmen zu einem lyrischen Kranz und umkreisen diesen gemeinsam mit schweren handclap Beats. Das letzte Stück ‚ Poison ‚ wird nochmals vom wunderschönen Gesang Antony Hegarty’s veredelt. Natürlich werden CocoRosie dieses offenherzige und revitalisierende Album in gewohnt brillianter Weise auf die Bühnen dieser Welt bringen und auch wenn gelegentliche Schwachstellen zu finden sind, ist es mir selbst noch nie so leicht gefallen wie bei dieser Platte, einfach zu sagen: Ich mag CocoRosie.