Orla Gartland – Woman on the Internet

Zwischen nervösem Pop und aufsteigenden Rockrhythmen findet ORLA GARTLAND Stille. Sie ist auf WOMAN ON THE INTERNET genau dort, wo sie sein soll.

Orla Gartland’s Debüt ist eine komplexe, sorgfältig zusammengestellte Sammlung, die Indie Pop, Folk und Alternative Rock vereint. Bei „Woman On The Internet“ geht es inhaltlich darum, Momente der Selbstreflexion zu verarbeiten, bevor man in die Zukunft blickt. Orla Gartland’s Debütalbum ist ein ehrliches Selbstporträt darüber, wer und wo die Songwriterin war und ist. Es ist schwer im Voraus zu wissen, wie jeder Track klingen wird. Manchmal spielt sie akustisch auf emotionalen Pianoballaden, so sanft wie Birdy, oder sie hat auf ihrem Track „Zombies“ eine Vorliebe für Punk. Mit ihrem Klavier oder ihrer Gitarre weiß sie in den kommenden Minuten unsere Aufmerksamkeit zu erregen.

„Woman On The Internet“ verwebt diese rohe Selbstreflexion um eine punktgenaue Popproduktion. Orla Gartland’s Fähigkeit, Rhythmus, Melodie und Harmonie um Bedeutungen zu drehen und zu wenden, kommt bei Songs wie dem kantigen Indie von „Madison“ und der Barock-Pop-Ballade „Left Behind“ zum Tragen. “If you’re trying to be honest/Then why’d you break your promise?” singt sie in „Do You Mind?“ und zeichnet die Umrisse einer Trennung nach. Von den Momenten auf dem Album, die die Titelthemen aufgreifen und Gartland’s stilistische Ambitionen erfüllen, sind einige jedoch in lyrischen Klischees und Abstraktionen gefangen.

Der Eröffnungstrack „Things That I’ve Learned“ verwendet klirrende Percussions und eine gesangartige Hookline, die an Fiona Apple’s Werk erinnert, aber im Gegensatz zu dieser Künstlerin verzichtet Gartland auf ausgeklügelte visuelle Metaphern zugunsten twitterbarer feministischer Maximen wie “Take up all the space, even when you think you don’t deserve it.” Wenn man über die Unbeholfenheit dieser Texte hinwegschaut, sind ihre emotional aufgeladene Gesangsdarbietung und ihre Aufmerksamkeit für klangliche Details absolut bezaubernd. „You’re Not Special, Babe“ verbindet Regina Spektor’s Witz mit Taylor Swift’s Aufrichtigkeit und verwandelt eine Beleidigung, die Gartland aller Wahrscheinlichkeit nach erhalten hat, in eine Solidaritätsbekundung.

Der folgende Track, „Over Your Head“, erinnert an den Alt Rock der frühen Jahre. „Walk away, far away/It’s better this way“, schreit sie über eine krachende Welle von E-Gitarren und hinterfragt das Verhältnis von Ruhm und Macht. Der Albumtitel bezieht sich auf eine „nameless, faceless figure“, die Gartland Ratschläge gibt, wenn sie sich „truly lost“ fühlt. Aber mit „Woman on the Internet“ klingt sie überhaupt nicht verloren. Trotz einiger Schwächen im Songwriting bleibt es am Ende ein beeindruckendes Debüt.

7.0