Melancholische Weite und das Streben nach klanglicher Erhabenheit markieren den neuen Weg von MUMFORD & SONS. Das Album DELTA entwirft eine atmosphärische Kulisse zwischen intimer Reflexion und bombastischer Produktion. Paul Epworth formt einen dichten Soundteppich, der die Grenzen des Folk weit hinter sich lässt.
Die mikrorhythmische Entscheidung, die Akustikgitarre in „Wild Heart“ nicht als treibendes Element, sondern als fast statisches, hölzernes Klopfen zu inszenieren, bildet den Kern dieser Produktion. Es ist eine Verweigerung des gewohnten Vorwärtsdrangs, die sich durch das gesamte Werk zieht. Marcus Mumford nutzt seine Stimme in einer ungewohnt hohen, fast brüchigen Lage, was die instrumentale Dichte eher konterkariert als ergänzt. Diese klangliche Fragilität in der Kopfstimme wird zum zentralen Ankerpunkt, an dem die monumentalen Arrangements von Paul Epworth immer wieder zerschellen. Frühere Alben existieren in diesem Kontext nur noch als fernes Echo eines rustikalen Handwerks, das hier einer glatten, fast sterilen Studioästhetik weichen musste.
Das Album macht eine deutliche ästhetische Setzung sichtbar: Die Abkehr vom Unmittelbaren hin zum Konstruierten. Die vier Musiker von Mumford & Sons agieren in einem Raum, der keine Fehler mehr zulässt. In der visuellen Inszenierung des Covers wird dieser Bruch zwischen musikalischer Intimität und kühler Distanz auf die Spitze getrieben; die isolierten Figuren in der monotonen Weite betonen eine Melancholie, die im klanglichen Gewand oft von digitalen Effekten und Streichermassen überdeckt wird. Es ist ein Spiel mit der Pose der Einsamkeit, während die Produktion von einer fast einhundertköpfigen Entourage zeugt.
Strukturell zeigt sich eine auffällige Dehnung der Formate, die in der über sechsminütigen Schlussnummer „Delta“ gipfelt. Diese zeitliche Ausdehnung wirkt jedoch oft nicht wie eine organische Entwicklung, sondern wie eine bewusste Verlangsamung des Materials, um eine Gravitas zu simulieren, die die Kompositionen allein kaum tragen. „Darkness Visible“ nutzt das Rezitativ von Gill Landry, um eine literarische Tiefe zu beanspruchen, die durch die nachfolgenden Pop-Strukturen sofort wieder nivelliert wird. Die Zeile „And as you leave / See my children playing at your feet“ aus dem Stück „Beloved“ markiert dabei einen seltenen Moment, in dem die emotionale Steuerung nicht hinter der technischen Perfektion verschwindet. Dennoch bleibt das Gefühl einer klanglichen Sättigung bestehen, die wenig Raum für das Ungeplante lässt.
Die Anfangsbeobachtung der rhythmischen Reduktion findet sich in der zweiten Hälfte des Albums kaum wieder. Stattdessen dominiert eine flächige Beliebigkeit, die den ursprünglichen Charakter der Band fast vollständig auflöst. Wo früher Reibung war, herrscht nun eine glatte Oberfläche, die zwar handwerklich makellos erscheint, aber die dringliche Notwendigkeit vermissen lässt.
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