The Libertines – Anthems For Doomed Youth

Ohne großen Hype gingen die letzten Wochen vorüber, so dass die wiedervereinten Libertines in einigermaßener Abgeschiedenheit den Arbeiten zum dritten Studioalbum nachgehen konnten. Die Musik steht im Vordergrund, erstmal vorbei sind die Zeiten als leichtes Futter für die Boulevardpresse. Doch trotz all ihrer anachronistischen Tendenzen der letzten Jahre waren sie auch unternehmerischer, als die meisten Menschen es Ihnen zutrauen würden. Sie waren eine der ersten Bands, die das enorme Werbepotenzial des Internets erkannte, in den Fan-Foren unterwegs waren, um dort Shows und Veröffentlichungen neuer Songs zu verkünden. All das passierte lange vor Social Media und Soundcloud. Heute ruht Ihr Vermächtnis sicher auf zwei Langspielern, sechs Singles und einigen B-Seiten. Dazu kommen unzählige Demos, ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2010 und zahlreiche Nebenprojekte mit unterschiedlichen Ansprüchen.

Nun gab es also die Wiedervereinigung in Thailand und gemeinsam mit Jake Gosling als Produzent entstand »Anthems For Doomed Youth«. Zugleich bekamen Bassist John Hassall und Gary Powell mehr Spielraum, welcher sich deutlich auf die neuen Songs auswirkt. Textlich geben uns Pete und Carl emotionale Töne, kurze poetische Vignetten aus romantischen Leinwanderzählungen, wie beispielsweise im Titelsong zu hören ist: „You told the governor’s wife about the last night of his life / She turned away in tears called you a liar / Where are all the old dreams now? The battalions once so proud? / Lost in some old song and hanging on the old barbed wire.“ Das Stück »Heart of the Matter« ist Ihrer aktuellen Situation gewidmet: „With all the battering it’s taken, I’m surprised it’s still ticking,” und ist zugleich eine flammende Rückblende auf die gute alte Zeit.

Ansonsten sind die restlichen Songs von hoher Qualität, nicht mehr ganz so hingerotzt (eigentlich gar nicht mehr), dafür wirken die Arrangements durchdachter, erwachsener – womöglich sogar professioneller. »Anthems For Doomed Youth« ist eine Einheit von Anfang bis Ende. Zwar nicht mehr der ganz typische Libertines-Stil, dafür liegt zuviel Ruhe in den Songs, aber alleine durch die Texte bleiben The Libertines eine der wichtigsten britischen Bands aller Zeiten. Pete hat übrigens schon verläuten lassen, dass bereits eine vierte Platte in Planung ist.

7.0