Dan Mangan – Oh Fortune

Wenn du dich mit anderen Menschen in Verbindung setzt, Dan Mangan schrieb im Guardian letzte Woche, dann „you have to get vulnerable“. Sicher ist jedenfalls, das dritte Album ‚ Oh Fortune ‚ des Kanadiers ist ein Werk voller Unentschlossenheit, es finden sich darauf keine Antworten, nur die gleichen Fragen. „What happens when all flags burn together?“, frägt er sich in ‚ Jeopardy ‚, während trällernde Gitarren nach den Händen der fröhlichen Trompeten greifen. „Is that unity? Is it meaningful to be angry? Who’s angry? Are you angry? What is angry?“. Dan Mangan ist trotz mancher Wiederholung in seiner Entwicklung gesprungen. ‚ Oh Fortune ‚ ist dunkel, reich an Ideen und tauscht die früheren Songs mit „Geklimper-an-der-Akustik-Gitarre“ gegen expansiven und epischen Orchester-Indie-Rock. Jede Melodie wurde hier sorgfältig geschichtet und strukturiert, leidenschaftlich greift Mangan zu kathartischen Hochs und Tiefs, während die dichte Stimmung und düsteren Texte auf dünnen und eingängigen Melodien wandeln. Das Album beginnt sehr schön mit dem gefüllten Titel ‚ About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All ‚, einem ruhigen Walzer, der den Hörer auf die Reise nimmt und dort beginnt, wo die letzte Platte ebenfalls Ihren Abschlusss hätte finden können. Der Walzer mit Percussions liefert einen Anhaltspunkt (und eine willkommene Einführung), in ‚ Oh Fortune ‚, dass viel üppiger produziert wurde als sein Vorgänger. ‚ How Darwinian ‚ und ‚ Post-War Blues ‚ haben vielleicht auch deshalb Arcade Fire im Hinterkopf. Der symphonische Klang ist dabei die größte Herausforderung für Mangan und leider bleibt ‚ Oh Fortune ‚ in dieser Beziehung seltsam leblos. Mangan versucht selten über das wohlwollende Mid-Tempo zu treten und scheint gesperrt für neue Ansätze – vieles klingt somit recht ähnlich. Seien es die akustischen und blanken Knochen in Leaves, Trees, Forest ‚ oder das instrumentelle Schneegestöber von ‚ Jeopardy ‚. Wenn Mangan aber gegen Ende mit überraschender Lockerheit und seiner brodelnden Gitarre durch das zerlumpte ‚ Rows of Houses ‚ stapft, wird es nur umso ersichtlicher wie anormal es sich in diesen Minuten anfühlt. Auch das Missverhältnis zwischen großen musikalischen Visionen und der melodischen Trägheit in den Texten ist ein nicht auszuklammernder Kritikpunkt. Mit vagen Texten über Krieg und Tod versucht ‚ Oh Fortuna ‚ eine Art große Aussage zu machen, aber worüber? Mangan’s Texte reichen von den banalen Nicht-Beobachtungen („The birds use their wings / where do they go? / People want to know / Some say Heaven, some say Mexico“), bis zu wiederholenden Banalitäten (“Is it meaningful to be angry? / Who’s angry? / Are you angry? / Why do I get the feeling you might be angry? / What is anger? „). So bleibt der Ruf von Mangan als führender Singer-Songwriter aus Vancouver zwar bestehen, doch im Moment zeigt es nur die aufstrebende Entwicklung eines Künstlers, dessen bestes Material wohl erst noch geschrieben werden muss.