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Eine junge Frau in weißem Longsleeve und dunklen Shorts sitzt auf einem ungemachten Bett, Arme über dem Kopf, Blick trotzig, schlichtes Zimmer ohne Ablenkung.
ALBUM

industry plant MIKI

2025
MSTAX ALBUMPROFIL

Mit INDUSTRY PLANT gelingt der franko-koreanischen Sängerin MIKI ein wuchtiges Debüt zwischen hyperpop, j-pop und elektronischer Popkultur, das Selbstbehauptung, Ironie und schonungslose Intimität kunstvoll verschränkt.

miki hat sich in nur zwei Jahren von einer Außenseiterin der französischen Popwelt zu einer der meistdiskutierten Stimmen entwickelt. Was mit dem improvisierten Clip „Échec et mat“ vor einem Buffalo Grill begann, wurde zunächst als Witz oder Provokation abgetan, bis die Millionen Klicks nicht mehr zu ignorieren waren. Von da an schien ihr Name untrennbar mit dem Vorwurf verbunden, eine bloße „Industry plant“ zu sein, eine vom Label lancierte Figur ohne organische Entwicklung. Doch wer die Entwicklung von der EP „Graou“ bis zum Debütalbum „industry plant“ verfolgt, erkennt ein anderes Bild: eine Musikerin, die den Spott mit Ironie zurückspielt und zugleich ein erstaunlich präzises Klangpanorama entwirft.

Das Cover zeigt sie lässig auf einem ungemachten Bett, weißes Oberteil, dunkle Shorts, eine Haltung zwischen Abwehr und Selbstinszenierung. Diese Ambivalenz zieht sich durch die Platte, auf der rohe Intimität neben kalkulierter Pose steht. In „échec et mat“ seziert sie toxische Beziehungen mit derben Bildern, während „cartoon sex“ traumatische Erfahrungen in Pop-Sprache übersetzt. „aphexion“ wirkt fast wie das emotionale Zentrum: „C’est pas parce qu’on est dysfonctionnels qu’il n’y a pas d’affection“ – ein Satz, der das Spannungsfeld von Nähe und Bruch pointiert. Die Liste der Kollaborationen unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Projekts: Tristan Salvati, Canblaster, LUCASV. Mit ihnen lotet miki den Raum zwischen hyperpop, j-pop und elektronischer Avantgarde aus, ohne den Songcharakter preiszugeben. 

„ca pik un peu quand même“ wirkt wie ein sarkastisches Tagebuch über Einsamkeit im digitalen Alltag, während „bnf“ familiäre Enttäuschung und Selbstbehauptung verdichtet. In Interviews betont sie, dass das Album im Austausch mit dem Publikum entstanden sei: „Le public, le meilleur cobaye? Meilleur cowboy!“. Diese Haltung, das Testen und Nachjustieren, ist hörbar, das Album klingt lebendig, unfertig im besten Sinne. Am Ende ist „industry plant“ weniger eine Abrechnung mit dem Begriff als vielmehr seine spielerische Aneignung. miki präsentiert sich nicht als Marionette, sondern als kluge Arrangeurin der eigenen Widersprüche: feministisch, verletzlich, frech. Was als schnelle Social-Media-Eruption begann, steht nun als Debüt, das sich dem Urteil der Zeit stellen darf – und es könnte sein, dass sie länger bleiben wird, als viele Spötter erwartet haben.

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Anspieltipps: aphexion, bnf, échec et mat

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