Ungeschminkte Provokation trifft auf rotzige Küsten-Tristesse: RATSALAD. brettern mit ihrer neuen Platte ungeniert durch die westaustralische Provinz.
Eine unbarmherzig trockene Snare-Drum, die ohne jeden Hall exakt auf die Zählzeit peitscht, markiert das rhythmische Skelett dieser Produktion. Es ist eine bewusste Verweigerung jeglicher studiotechnischen Großzügigkeit, die sich bereits in den ersten Sekunden als gestalterisches Prinzip etabliert. Diese rigide, fast mechanische Reduktion im Schlagzeugspiel bricht radikal mit den üblichen, weichgespülten Konventionen moderner Rockproduktionen. Jay Huxtable hat bei den Aufnahmen in den Oracle Sound Studios in Perth jede Spur von atmosphärischer Milde konsequent eliminiert, wodurch die Instrumente eine schneidende, beinahe physische Präsenz entwickeln.
Genau aus dieser kompromisslosen klanglichen Enge bricht die Stimme von Frontfrau Jaz hervor, deren Phrasierung im Opener „Art School Dropout (Jaz Origin Story)“ zwischen manischer Getriebenheit und absoluter Gleichgültigkeit schwankt. RATSALAD. etablieren hier ein Selbstbild, das die eigene Herkunft nicht als nostalgische Kulisse verklärt, sondern als raue Reibungsfläche nutzt. Das visuelle Gegenstück dieser kalkulierten Schroffheit zeigt sich im ungeschönten Arrangement auf dem Albumcover, wo die ausgestellte Lässigkeit auf der Motorhaube eines ramponierten Kleinwagens die Grenze zwischen authentischer Vorstadt-Tristesse und theatralischer Pose verwischt. Diese visuelle Inszenierung untermauert das musikalische Grundthema des Albums: die trotzige Behauptung von Identität in einem von wirtschaftlicher Stagnation und Isolation geprägten Umfeld.
Im weiteren Verlauf der elf Stücke erweist sich diese anfängliche Verweigerung von Dynamik als strukturelle Sackgasse, da die Rhythmusgruppe kaum Variationen zulässt. Songs wie „iT’s NoT eVeN tHaT bAd“, der durch einen Gastauftritt von Angie Coleman bereichert wird, oder „Bike Beach Pub“ kranken an einer permanenten Übersteuerung, die auf Dauer an Wirkung verliert. Jack Sirett’s sporadische Bläsersätze bringen zwar kurze, scharfkantige Akzente ein, können die monolithische Monotonie des Materials aber kaum aufbrechen. Am deutlichsten formuliert sich der thematische Kern in „North West Coastal Highway“, wenn die Zeilen „I mooned an old lady, on the north west coastal highway, pissed all over myself, fuck yeah“ den provokanten Nihilismus auf die Spitze treiben. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sich die anfänglich faszinierende, ungeschminkte Härte über die gesamte Spieldauer hinweg in einer hermetischen Wiederholungsschleife erschöpft, deren formale Grenzen unübersehbar werden.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
