Jack White – Blunderbuss

Ob Jack White oder die Black Belles – der feine Unterschied befindet sich im Gesang. “Every morning I deliver the news,” schreit Jack White jedoch im zweiten Stück ‚ Sixteen Saltines ‚ zwischen eine emotionale Achterbahnfahrt, bestehend aus Slasher-Gitarre und funky Hammond-Orgel-Riffs. „Black hat, white shoes and I’m red all over“, heißt es weiterhin in bekannter Manier und doch ist der Mann aus Detroit, Michigan, wieder einmal unendlich vielseitig, vielschichtig, neu und dabei trotzdem noch unverkennbar. John Anthony Gillis quetscht schuppige Lyrics durch pummelige Riffs im dritten Stück ‚ Freedom at 21 ‚ und hinterlässt im Eröffnungsstück ‚ Missing Pieces ‚ bereits einen vertrauten Eindruck. Der Song erinnert an The Raconteurs, schlägt allerdings auch ungewohnte Bahnen zu The Doors ein, während ‚ Love Interruption ‚ den akustischen Songs der White Stripes am nächsten rückt. Das gleichnamige Titelstück klingt zwar sehr authentisch, doch auf der anderen Seite auch ziemlich langweilig. ‚ Hypocritical Kiss ‚ ist dagegen ein emotionales Tauziehen auf dem Klavier. Dazu durchfluten helle akustische Melodien unsere Gehörgänge, die zwar keine musikalische Neuerfindung definieren, aber dafür eine zielgerichtete Schnittstelle zwischen theatralischer Künstlichkeit und sturer Aufrichtigkeit finden. Reichlich fantastisch wird es ab der Mitte im Stück ‚ Weep Themselves To Sleep ‚, welches einen zentrierten Ton in die optimistische Vintage-Dynamik füllt und außergewöhnlich aufgeräumt die euphorischen Rhythmen veredelt. I’m Shakin‘ ‚ ist ein raues Little Willie John Cover geworden und ‚ Trash Tongue Talker ‚ überlässt erneut dem Klavier die ungeteilte Aufmerksamkeit, wenngleich hier eine gewisse Ideenlosigkeit in die stilistische Durchschnittlichkeit abfällt. Aber es ist Jack White. Unverwechselbare Musik ist sein Markenzeichen und Kritik ist zu jeder Zeit auf sehr hohem Niveau angesiedelt. Und dementsprechend ist ‚ Trash Tongue Talker ‚ nicht nur ein wörtlich gemeinter Titel, sondern auch eine ungezwungene Nummer mit großem Spaßfaktor. White beherrscht zahlreiche Genres, verzettelt sich zum Ende allerdings ein wenig zu sehr darin “The people around me/ Won’t let me become what I need to/ They want me the same/ I look at myself and I want to/ Just cover my eyes and/Give myself a new name”, singt er im vorletzten Stück ‚ On And On And On ‚ und kreiert nochmals verträumte Geflechte zwischen akustischen Gitarren und einem wabbernden Bass im Hintergrund. Mit ‚ Take Me With You When You Go ‚ ist dann leider ein etwas schwacher Schlusspunkt erreicht, der lediglich im Mittelteil dem Rock’n’Roll kräftig in den Arsch tritt. Und auch wenn Jack White sicherlich keine neuen musikalischen Wege für sich entdecken konnte – ein vielversprechender Beginn der Solokarriere ist es trotzdem geworden.