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Margo Price sitzt im blauen Kleid mit einem Gewehr auf einem Sessel vor roter Tapete.
ALBUM

Days of Unrest MARGO PRICE

2026
MSTAX ALBUMPROFIL

Wütende Americana-Eleganz zum Unabhängigkeitstag: MARGO PRICE dekonstruiert den amerikanischen Traum mit staubigem Protest und historischen Bruchlinien auf ihrem neuen Album.

Die Geste der Traditionsfortschreibung vollzieht sich hier nicht über die Imitation historischer Vorbilder, sondern über eine bewusste ästhetische Konfrontation mit den inhärenten Widersprüchen US-amerikanischer Identitätsmythen. Margo Price wählt für diese Veröffentlichung eine musikalische Haltung, die historische Protestformen direkt in die Gegenwart überführt, ohne sie folkloristisch zu verklären. Diese strategische Setzung artikuliert sich in einer klanglichen Härte, die den Country-Traditionen den sentimentalen Glanz nimmt und stattdessen die rohe, repetitive Struktur des politischen Widerstands betont. Frühere Alben fungieren in diesem Kontext als konventionelle Resonanzräume, von denen sich diese strikte, fast spartanische Ausrichtung durch eine radikale thematische Fokussierung abhebt.

Das visuelle Statement des Albumcovers spiegelt genau diesen inszenierten Bruch wider: Die Künstlerin thront in einem opulenten, hellblauen Kleid auf einem Sessel vor einer überladenen, tiefroten Tapete, während sie demonstrativ eine Schusswaffe im Schoß hält. Diese kalkulierte Ambivalenz zwischen femininer Eleganz und wehrhafter Pose thematisiert eine fundamentale Zerrissenheit, die auch die musikalische Architektur prägt. Matt Ross-Spang entwirft als Produzent ein Klangbild, das diese Reibung zwischen Tradition und Gegenwart durch eine bewusste Trockenheit im Mix übersetzt. Die Instrumentierung verzichtet auf epische Breite und verlässt sich stattdessen auf pointierte Akzente, die den politischen Botschaften den nötigen Raum geben.

Besonders deutlich wird diese strategische Haltung in den ausgewählten Coverversionen, die als historische Ankerpunkte dienen. In der Interpretation von Woody Guthrie’s Klassiker „Deportee (Plane Wreck at Los Gatos)“ manifestiert sich die Verbindung zu den Ursprüngen des amerikanischen Protestsongs. Die Einbindung von Joan Baez und Memphis Mariachi ist dabei kein Selbstzweck, sondern eine programmatische Positionierung, die die generationsübergreifende Kontinuität des Kampfes für Menschenrechte unterstreicht. Die Zeilen „You won’t have a name when you ride the big airplane / All they will call you will be deportees“ erhalten durch die kühle, unnachgiebige Darbietung eine bedrückende Aktualität, die jede nostalgische Wärme im Keim erstickt.

Die Reduktion der musikalischen Mittel zieht sich konsequent durch das gesamte Werk. Blaze Foleys „Oval Room“ verliert in dieser Lesart jegliche Folk-Leichtigkeit und wandelt sich zu einer bitteren Abrechnung mit politischer Willkür, deren rhythmische Monotonie die Ausweglosigkeit des Systems spiegelt. Auch die Umdeutung des Charlie-Daniels-Klassikers zu „Long Haired Country Girl“ an der Seite von Billy Swan bricht mit patriarchalen Genremustern, indem die Aneignung des Textes die Perspektive verschiebt. Das Album verweigert sich durchgehend gefälligen Melodiebögen, was die strukturelle Stringenz dieser Veröffentlichung untermauert.

Die instrumentale Suite „San Marcos“, die in drei Teilen das Album durchzieht und gemeinsam mit Jeremy Ivey entwickelt wurde, fungiert als struktureller Rahmen, der die textlichen Dissonanzen rein musikalisch auffängt. Diese Kompositionen bieten keine emotionale Entlastung, sondern verstärken die klaustrophobische Dichte des Gesamtkonzepts. Wenn in Bob Dylans „Maggie’s Farm“ die Zeile „No, I ain’t gonna work on Maggie’s farm no more“ deklamiert wird, zeigt sich die ganze Tragweite dieser ästhetischen Entscheidung: Die Verweigerung wird zur künstlerischen Methode.

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Anspieltipps: Deportee (Plane Wreck at Los Gatos), San Marcos, Maggie’s Farm

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Basierend auf Stimmung, emotionalem Profil und Klangcharakter von „Days of Unrest“.

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