Kaiser Chiefs – The Future Is Medieval

Die Kaiser Chiefs hatten vor einigen Wochen eine nette und spannende Idee: Auf www.kaiserchiefs.co.uk durfte man sich seine ganz eigene Version von ‚ The Future Is Medieval ‚ zusammenstellen. Zur Auswahl standen hierfür ganze 20 neue Songs, aus denen man sich die Hälfte aussuchen und diese inklusive eigenem Artwork individuell kompilieren konnte. Der Gedanke dahinter: Erst ausprobieren, dann kaufen. Der willige Kaiser Chiefs Fan hatte damit die Gelegenheit in Ruhe zu testen und erst mit der finalen Albumversion zur Kasse gehen. Natürlich waren die Tracks nicht in vollständiger Länge zu hören. Hatte man schließlich sein individuelles 10-Track-Album von ‚ The Future Is Medieval ‚ – kostete dies £7.50 – die Bezahlung erfolgte via PayPal (inkl. automatischer Umrechnung in den aktuellen Euro-Kurs). ABER: jetzt der Clou! Sein Geld konnte „Fan 1“ nämlich auch wieder zurückbekommen: Kaufte „Fan 2“ die kompilierte Version von „Fan 1“, kriegte dieser £1 pro Album wieder via PayPal zurückbezahlt. Bedeutet in der grauen Theorie: Ab acht weiterverkaufter Alben seiner Version machte „Fan 1“ Gewinn. Doch wie bereits geschrieben, es ist natürlich nur graue Theorie. Gewinn machten an dieser Stelle die Kaiser Chiefs und Ihr Label. Und weil natürlich nicht auf einen regulären und ganz offiziellen Release verzichtet werden kann, erscheint das Werk nun auch als CD und MP3 Download mit ausgesuchten Tracks der Band. Man soll bekanntlich keine fadenscheinigen Unterstellungen durch die Gegend knallen, aber wäre es möglich, dass die Verantwortlichen bewusst diesen Schritt gingen, um so die meist ausgewählten Songs nun auf CD zu pressen? Eine mögliche Marktanalyse im Vorfeld. Doch schließen wir diese modrige Theorie und konzentrieren uns auf die nun vorliegenden Tracks. Es beginnt die erste Single ‚ Little Shocks ‚ – unerwartet langsam, sehr eintönig und doch unterhaltsam. Die Kaiser Chiefs ziehen sich in die Anfänge der 90er Jahre College Rock zurück. Doch so cool wie es klingen mag, die übermäßig verzerrten Gitarren und der versteckte Chor bieten auf Dauer zu wenig Substanz. Ein wenig LCD Soundsystem verbirgt sich im zweiten Stück ‚ Things Change ‚ und ‚ Long Way ‚ überzeugt zwar mit schönen Bass-Licks, doch der Chor ist meiner Meinung nach viel zu stürmisch ausgefallen. Als ob ein Tsunami das tägliche Bad in der Sonne vernichten würde. ‚ Long Way From Celebrating ‚ beinhaltet rudimentäre Lyrics über die Vergänglichkeit des Glücks – ‚ Starts With Nothing ‚ und ‚ Out Of Focus ‚ hätte man sich sparen können. Wesentlich überzeugender ist das fesselnde Getöse in ‚ Dead Or In Serious Trouble ‚ mit Piraten-ähnlichen Gesängen und leichten Quadrophenia Einflüssen. In ‚ When All Is Quiet ‚ wurden die Beatles und die Kinks zu einem gemeinsamen Treffen eingeladen. ‚ Child Of The Jago ‚ gehört zu den stärksten Oasis-Inspirationen der Band mit dunklen Tönen und prominenten Riffs. Ein weiteres Stück mit diesen Anleihen ist ‚ Coming Up For Air ‚ mit den typischen Rhythmen und Melodien. Auch wenn die Kaiser Chiefs mit ‚ The Future Is Medieval ‚ kein Meisterwerk abliefern, der Mut zum Experiment darf man durchaus respektieren. Aber schlussendlich fehlt der Witz, die Spielfreude und nur wenn im kommenden Sommer auch die alten Geschütze bei Ihren Auftritten abgefeuert werden – haben die Kaiser Chiefs eine realistische Chance den Thron im Popgeschäft erneut zu besteigen.