Suche läuft …

ELLA EYRE Feline

2015

ELLA EYRE legt mit FELINE ein Debüt vor, das große Versprechen und deutliche Grenzen zeigt, pointiert zwischen Clubdruck, Soulgesten und einer kontrollierten Wucht ihrer Stimme. Ein Album zwischen Anspruch, Erwartung, Selbstbehauptung.

Ella Eyre hatte ihren Namen längst in den Charts platziert, bevor „Feline“ erschien. Die frühen Features mit Rudimental in „Waiting All Night“, DJ Fresh in „Gravity“ oder Bastille in der Neuinterpretation von „No Scrubs“ prägten das Bild einer jungen Sängerin, die mit eruptiver Stimme jede Produktion nach vorn treibt. Das Debütalbum sollte darauf aufbauen, geriet aber in einen Konflikt aus Majorlabel Strategie und eigener künstlerischer Handschrift. Der Druck auf eine eindeutige Popstar Erzählung formte den Sound zu einer standardisierten Mixtur aus Synth Stabs, komprimierten Drums, generischen Drops. Genau diese Gleichförmigkeit prägt den Auftakt des Albums, wo mehrere Stücke ineinander verlaufen und kaum individuelle Konturen zeigen. Selbst „Good Times“, oft als Kraftmoment gehandelt, erreicht seine Spannung nur in kurzen Passagen, in denen ein Hauch sechziger Jahre Girlgroup Architektur über die glatte Produktion streicht. Der Rest bleibt ein Konstrukt, das wenig atmet.

Apple Music – Cookies nötig.

Dennoch lassen sich Momente erkennen, in denen Eyre die engen Drehbücher verlässt. „Always“ entwickelt in einzelnen Wendungen eine Verbindung aus moderner Elektronik und klassischer Soulphrase, ohne die balladeske Spannung zu verlieren. „All About You“ legt mit direkter Sprache eine entschlossene Haltung frei, was Zeilen wie „You know I have worked so hard to give you all that you need“ untermauern. „Deeper“ und ähnliche Titel scheitern dagegen an fehlender emotionaler Erdung. Vieles bleibt kalkuliert, selten entsteht ein Sog, der über reine Funktionalität hinausweist. Erst im letzten Drittel gewinnt das Album Struktur. „Comeback“ setzt mit „We have all been played, we all get hurt“ eine klare Linie, die sich nicht auf Selbstmitleid stützt. Der Song nutzt seine Härte als Ventil, erzeugt ein Gefühl echter Eigenständigkeit. „Typical Me“ wirkt in seiner schonungslosen Formulierung „This is the fuck up of the year“ erstaunlich offen, was dem Stück eine rohe Direktheit verleiht. Diese Momente zeigen das Potenzial, das im restlichen Album oft verdeckt bleibt.

Das Coverbild verweist auf eine ähnliche Ambivalenz. Der opulente Raum, die schweren Stoffe, der Löwe als Symbol ungebändigter Präsenz wirken wie ein Versprechen von Stärke. Eyre wirkt darin zugleich selbstbewusst und beobachtend, fast wie eine Figur, die in einem ästhetischen Ritual feststeckt. Dieser Bildraum korrespondiert mit den Songs, in denen Kraft immer wieder gegen inszenierte Kontrolle prallt. „Feline“ ist ein Debüt, das Talent klar erkennbar macht, aber auch die Grenzen eines Systems deutlich zeigt, das eine junge Künstlerin zu sehr auf Formeln zurückbindet. Einige Stücke entwickeln echte Tiefe, andere verharren im Austauschbaren. Das Album bleibt deshalb ein Werk mit markanten Einzelmomenten und auffälligen Brüchen, das weniger durch seine Konsistenz überzeugt, sondern durch die kurzen Funken, in denen Ella Eyre ihre eigene Richtung ankündigt.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.

69
innenraum
2015
Feline
AW-0739-KR

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

gruppe
2012
Where The Echoes Die
AW-0735-TZ
konzeptuell
2010
Pink Friday
AW-0736-PR
fotografie
2009
Wir Kinder Vom Bahnhof Soul
AW-0737-RB
symbol
2012
Back To Earth
AW-0738-SI
symbol
2008
Ode To J.Smith
AW-0740-PE
surreal
2011
The Future Is Medieval
AW-0741-PL
collage
2025
Bunky Becky Birthday Boy
AW-0742-OB
verfremdet
2012
MDNA
AW-0743-KR