Eine meisterhaft verwaschene Ode an die Beständigkeit transportiert tröstliche Hitzewellengitarren und lässt den unverkennbaren KURT VILE tiefer denn je in seiner vertrauten Heimatstadt versinken.
Ein sanftes Zittern bricht sich Bahn, bevor die vertraute Trägheit einsetzt. Es ist das feine, metallische Summen einer Goldtone-Mandolinengitarre, das die ersten Sekunden dominiert und eine eigenwillige Intimität etabliert. Dieses isolierte Detail, das nicht auf billige Genre-Zugehörigkeiten schielt, gibt die Richtung vor. Kurt Vile verweigert sich auch auf seiner zehnten Studioarbeit jeglicher stilistischen Beschleunigung, vielmehr feilt er an der absoluten Entschleunigung jener Akkorde, die hier klingen, als würden sie direkt in der flirrenden Hitze des Asphalts verdampfen.
Das Albumcover fängt dieses Gefühl treffend ein, indem es die fundamentale Verschiebung zwischen musikalischer Intimität und visueller Aussage problematisiert. Das vergilbte, leicht schäbige Schild mit der ungelenken Aufschrift steht im krassen Widerspruch zu der feingliedrigen, fast schmerzhaft privaten Zurückhaltung der Musik. Es inszeniert eine bewusste Künstlichkeit, eine fast trotzige Pose der Provinzialität, hinter der sich die verletzliche Aufrichtigkeit der neuen Kompositionen verbirgt. Es ist das visuelle Äquivalent zu Vile’s lakonischer Gesangshaltung, die das Private hinter dem Alltäglichen tarnt.
Die Reduktion treibt die Dynamik voran. Wo frühere Veröffentlichungen noch im dichten Indierock-Gewand nach Halt suchten, regiert nun eine skelettierte Klarheit. In „Chance to Bleed“ bricht sich das rohe, ungefilterte Erbe der frühen Heimaufnahmen wieder Bahn, unterstützt von den eruptiven Gitarrenbeiträgen eines Greg Cartwright. Die Produktion, die Vile weitreichend selbst in die Hand genommen hat, atmet den Geist einer bewussten Verweigerung gegenüber polierten Oberflächen. Jedes Knistern, jede Feedbackschleife gerät zum Beweisstück einer kompromisslosen Haltung, die sich in Zeilen wie „Now you’ve got a chance to bleed now, with a microphone too hot to hold, scream into it“ niederschlägt. Die Stimme fungiert hier nicht als Träger von Melodien, sondern als ein weiteres, rau geschliffenes Instrument im Raum.
Am deutlichsten wird diese ästhetische Verdichtung im epischen „99th Song“. Die fast zehnminütige Spielzeit dehnt den Raum, trennt die hypnotischen Gitarrenlinien von konventionellen Songstrukturen und lässt die Harmonien im Raum schweben. Das dichte Geflecht aus analogen Synthesizern und Akustikgitarren erzeugt eine flüssige Psychedelik, die an die introspektiven Momente von Neil Young erinnert, ohne die eigene, unverkennbare Handschrift zu opfern. Selbst minimalistische Gesten wie das zerbrechliche Instrumental „Piano for Sarah“ oder das von Glockenspielen getragene Finale „Avalanches of Snow“ ordnen sich diesem Prinzip unter. Es ist die reine Konzentration auf das Wesentliche, die dieses Werk auszeichnet.
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