Jim Noir – A.M Jazz

Überraschend anders ist das neue Album von Jim Noir ausgefallen (obwohl es sich immer noch deutlich nach einem Jim Noir-Album klingt), ziemlich melancholisch, aber sehr unterhaltsam. Einige seiner Werke, die er vor ein paar Jahren als Fanclub-EPs veröffentlichte, wirken aus heutiger Sicht wie Shoegaze, zeugen Rhythmus und Qualität der Aufnahmen hier durchweg von einem reiferen musikalischen Ausdruck. Jim Noir’s Musikkonstruktionen aus seinem Vorort-Studio erzeugen eine minimalistische Klanglandschaft. Den größten Teil der Musik übernehmen auf „A.M. Jazz“ verschiedene musikalische Einflüsse, die die emotionale psychedelische Verschmelzung mit der perfekt geformten Popmusik in Einklang bringen.

Jim Noir’s Fähigkeit, Popmusik zu kreieren und zu produzieren, erinnert an die Beach Boys und die Beatles. Er kann üppige, melodische Klanglandschaften komponieren und eingängige Popmusik in gleichem Maße – und das alles aus seiner Wohnung in Daveyhulme. Eines der Höhepunkte ist das entstspannte „Hexagons“ mit einer unverwechselbaren 60er Jahre-Schwingung. Mit Beginn der zweiten Hälfte des Albums werden die Tracks instrumentaler, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut. Es gibt Exkursionen zu entspanntem Funk („Beatheart“), Vocoder-Techno („Feel OK“), schlurfenden Chillwave im Titeltrack und Jet-Set-Loungemusik auf dem schönen „Tol Circle“.

„A.M Jazz“ ist eine perfekte Aufnahme für entspannte Nächte und ruhige Morgenstunden. Das mag so klingen, als wäre es eine Kleinigkeit, aber es erfordert viel Geschick, eine Aufnahme so weich und geschmeidig zu machen, ohne dass es jemals langweilig wird oder banal klingt. Dies ist eine wundervolle persönliche Sammlung von Tracks, die einen ganz besonderen Moment festhalten können.