KATHRYN WILLIAMS Little Black Numbers
Zwischen Stille, Zweifel und zarter Wucht entfaltet KATHRYN WILLIAMS auf LITTLE BLACK NUMBERS eine leise, aber eindringliche Poetik des Rückzugs, die mit Cello, Akustikgitarre und unbestechlicher Introspektion den Folk zu einem neuen Ort der Verletzlichkeit formt.
Kathryn Williams’ zweites Album „Little Black Numbers“ wirkt zunächst unscheinbar, fast scheu. Doch hinter dieser Zartheit liegt eine Konsequenz, die sich selten so kompromisslos zeigt. Nach dem Lo-Fi-Debüt „Dog Leap Stairs“ gelingt der britischen Songwriterin ein erstaunlich geschlossenes Werk, das die Sprache des Intimen zur Kunst erhebt. Ihre Stimme, ein hauchdünner Faden zwischen Licht und Müdigkeit, trägt Lieder, die mehr flüstern als behaupten. „Is your life so exciting you have to tell everyone you meet?“ fragt sie in „Soul to Feet“ – eine Zeile, die den Ton des Albums präzise fasst. Williams singt über Erschöpfung, über das Bedürfnis nach Schutzräumen, über das langsame Verdampfen von Nähe.
Musikalisch bleibt alles sparsam, beinahe kammermusikalisch. Laura Reid’s Cello zieht Linien, die wie Schatten über den Boden wandern, Johnny Bridgwood’s Kontrabass pulsiert in gedämpftem Rhythmus. Die Gitarren von David Scott geben Struktur, nie Pathos. In „We Dug a Hole“ öffnet sich ein dunkler Raum, in dem Klang und Bedeutung untrennbar ineinanderfallen. „Each Star We See“ weitet diese Welt ins Kosmische: das Nachdenken über Vergänglichkeit, über Sterne, die bereits im Sterben leuchten, wird zur leisen Metapher für menschliche Zeit.
Das Cover – zwölf quadratische Filmsequenzen eines Menschen, der über feuchten Sand geht, von grün über braun bis rot – verdichtet das Motiv dieses Albums. Bewegung, Erinnerung, Verfärbung. Jede Aufnahme scheint ein anderer Aggregatzustand der Melancholie. Das Gehen bleibt, der Ton verändert sich. So ist „Little Black Numbers“ kein gefälliges Folk-Album, sondern ein streng komponiertes Kammerspiel über Verlangsamung. In seiner Schönheit liegt auch seine Schwäche: zu oft versinkt Williams in Homogenität, zu selten wagt sie Brüche. Doch in Momenten wie „Tell the Truth As If It Were Lies“ deutet sich ein größeres Potenzial an – eine Dunkelheit, die sie bislang nur tastend berührt.
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