IDLES – A Beatutiful Thing: IDLES Live at Le Bataclan

Die beiden Studioalben der Idles sind nichts dagegen. Also eigentlich sind diese beiden Platten pure Energie, darin ist ein Gefühl der Wut enthalten, aber es ist auch eine Freude, die jede Sekunde durchdringt. Die IDLES haben sich seit „Brutalism“ diesem Konzept verschrieben, einem selbstbewussten Debüt, das der Band als formative Absichtserklärung und als ergreifende Hommage an die Mutter von Sänger Joe Talbot diente. Die zweite LP baute auf dem Fundament des Vorgängers auf und widmete sich gleichzeitig kritischen Tagesfragen. Aber im Vergleich zu dieser Veröffentlichung wirken diese unverschämt blass. „A Beautiful Thing“ ist genau der richtige Titel für ein IDLES-Album, obwohl dieser Live-Auftritt manchmal hässlich und musikalisch unförmig ist. Es gibt bewusst nicht übereinstimmende Passagen und simpelste Hooligan-Refrains. Joe Talbot’s Stimme bricht und es gibt Stellen, an denen es so klingt, als würden seine Bandkollegen ihre Instrumente mit Fäustlingen spielen. Aber verdammt es sind die IDLES! 

Die Songs wurden im berühmten französischen Theater vor einem Jahr gespielt und es ist ein Fest für alles, was die Gruppe erreicht hat, seit sie sich ihren Weg in das öffentliche Bewusstsein bahnte. „Colossus“ gibt sofort den Ton an, tuckert mit den Gitarren bevor Talbot es schließlich zu einem herkulischen Abschluss bringt. Ebenso exzellent ist „Mother“, das es schafft, die Aggression der Einführungsphasen des Albums zu übertreffen und es vielleicht sogar in der ausgesprochenen Feier des Feminismus der Band zu übertreffen. Die Ode der Gruppe an die Einwanderung „Danny Nedelko“ ist in demselben perfekten Cocktail aus Wut und Liebe erhalten. Dieser Einblick macht uns klar, wie glücklich wir sind, eine Band wie die IDLES zu haben. In Aktion sind Talbot, die Gitarristen Mark Bowen und Lee Kiernan, der Bassist Adam Devonshire und der Schlagzeuger Jon Beavis voll auf der Höhe und projizieren eine überschwängliche, unermüdliche Energie. 

Insbesondere die Freude darüber hat so viele Zuhörer dazu gebracht, die kathartische Aggression von Rock als Mittel zur Selbsteinschätzung und zur positiven Botschaft zu nutzen, ohne hohl oder predigend zu wirken. Die 19 Songs hier – fast alle von „Joy As An Act Of Resistance“ und die Mehrheit von „Brutalism“ – beklagen sich nicht nur über den Zustand der Welt, sie überlegen, wie er verbessert werden kann. Auf dieser Platte ist die Energie und die Absicht weitaus wichtiger als die perfekte Tonhöhe. Auf einem Live-Album bekommt man nie die schweißtreibende Erfahrung geboten, wie die Menschen, die die Band hautnah erlebt haben, aber das ist definitiv das Nächstbeste. “Our show at Le Bataclan was the end of a very long journey for us,” so die IDLES. “On that tour, we learnt so much about ourselves, each other and the audiences we have grown with over the past 10 years.” Mit „A Beatutiful Thing: IDLES Live at Le Bataclan“ haben sich die Jungs aus Bristol ein Denkmal geschaffen.