Paula Temple – Edge Of Everything

Obwohl es in den letzten Jahren immer wieder brillante weibliche Pop- und Indie-Künstler gab, ist Techno ein noch immer seltsam beraubtes Terrain für hochkarätige Künstlerinnen. Nur wenige, wie beipielsweise Miss Kittin, Nina Kraviz oder Maya Jane Coles schaffen es hier dauerhaft zu überleben und Ihre Qualitäten als brillante DJs immer wieder erneut unter Beweis zu stellen. Neben Charlotte de Witte hat sich nun aber auch Paula Temple um eine Stufe weiterentwickelt und begeistert neben ziemlich harten Momenten auch mit Ihrem Chaos und der Unordnung, die als Kulisse fungiert und inmitten eines schwarzen Rauschens zu Nine Inch Nails blickt.

Wir haben eine ganze Weile auf diese Veröffentlichung warten müssen. Paula Temple brachte zwar immer wieder mal hochwertige Techno-EPs heraus, aber „Edge Of Everything“ ist der erste Langspieler. Man kann es auch als ein absolut kompromissloses Set betiteln. Raue Elektronik und hämmende, industrielle Musik werden gelegentlich durch Momente der absoluten Schönheit durchbrochen – man höre hierzu das Ambient-Stück „Don’t Use Your Eyes Now“. Das Gegenteil erwartet uns im vierten Stück „Futures Betrayed“. Hier schlägt ein massives Eichenholz mit der Beschriftung „Elektro-Bestraffung“ unaufhörlich gegen den zerreißenden Schädel.

Im mittleren Teil des Albums erfolgt dann ein nahtlosen Wechsel in eine Beruhigungsphase. „Quantum Unfolding“ ist immer noch hart, aber sanft im Grundton. Gemeinsam mit dem bereits angesprochenen „Don’t Use Your Eyes Now“ wird darauf der Weg für den emotionalen Höhepunkt des Albums geebnet. „Nicole“ ist ein absolut faszinierendes Ambient-Stück und in der Tracklist so gesetzt, dass Anmut und pure Schönheit die zerstörerische Landschaft in einen einzigartigen Klangraum verwandelt. „Edge Of Everything“ ist in seiner Gesamtheit ein hartes, unnachgiebiges und eindrucksvolles Techno-Album. Es ist knorrig, konfrontativ und nichts für schwache Nerven.

 

9.5