Holy Ghost! – Dynamics

Mit dem eröffnenden Stück ‚ Okay ‚ ziehen uns Holy Ghost! erneut die Schulterpolster, Volantrüschenblusen, Karos und Karottenhosen zu hochtoupierten Fönfrisuren an, stecken uns in weiße Tennissocken zu Knöchelturnschuhen und nach einer Drehung durch den beißenden Haarspray-Nebel befinden wir uns direkt auf der Tanzfläche und genießen erstmal völlig unbeschwert den extrem tanzbaren Elektro-Sound. „Dynamics is really a descriptive term we used to focus on contrast, but it’s also referring to a lot of Alex’s lyrics this time around, which deal with the dynamics of relationships“, erklärt Nick. “ It’s a good single-word descriptor of what we were trying to do with these songs, something we kept coming back to when writing and recording.“ Damit halten sich Nick Millhiser und Alex Frankel aka Holy Ghost! wahrlich nicht zurück und so springt uns auch ‚ Dumb Disco Ideas ‚ ungeniert ans Gemächt und aus den Karottenhosen wird plötzlich eine hautenge Leggings in schillernden Farben. Holy Ghost! lieben die 80er Jahre, den Klang Ihrer kitschigen Synths und sinnlose Witze ohne Pointe. Das mag nicht jeden Geschmack treffen und tatsächlich hatten Nick Millhiser und Alex Frankel auf Ihrem Debüt noch so manch kreativere Ideen auf Lager. ‚ Changing Of The Guard ‚ montiert währenddessen erneut an der Selbstironie herum und zu ‚ It Must Be The Weather ‚ hinterlassen die New Yorker eine faszinierende Struktur und einen Rhythmus zurück, der mit seinen elektronischen Drums überraschend viel Spielraum bietet. Textlich ist ‚ Dynamics ‚ leider nicht mehr als eine leere Nussschale und oftmals dafür verantwortlich, dass der ansonsten funktionierende Durchlauf unötig häufig in seinem Aufbau gestört wird. “ I’m trying to make music that makes me as unabashedly giddy as music made me when I was a kid“, so Nick. “ I think that’s a big part of why we’re so obsessed with sounds. Because I think more abstract things, like sound, take [you] places. It’s a guttural, sort of ambiguous familiarity to things you grew up with that I think, when you get older, you come back to.“ Knapp zwei Jahre nach der Veröffentlichung des selbst betitelten Debütalbums versumpfen Holy Ghost! zu sehr in den 80er Jahren, unerbitterlich wird uns der nostalgische Genuss in den Hals gedrückt – doch was fehlt sind die dazugehörigen Emotionen. ‚ Dynamics ‚ klingt über weite Strecken sehr kalt, unberührt und lässt intelligente Arrangements vermissen. Lediglich für die schnelle Nummer zwischendurch bestens geeignet.

5.3