The Ting Tings – Sounds From Nowheresville

Mit einem epischen Einschlag melden sich The Tings Tings auf Ihrem zweiten Album ‚ Sounds from Nowheresville ‚ zurück. ‚ Silence ‚ heißt das Eröffnungsstück und gibt die Aufforderung heraus: „hold your talk now, and let them all listen to your silence“. Es mag vielleicht eine seltsame Wahl gewesen sein, den Titel als Opener zu verwenden, doch richtet es die Platte, und speziell die fröhlichen Gesänge, zugleich auf das zweite Stück ‚ Hit Me Down Sonny ‚ mit den militärischen Trommeln und den weihnachtlichen Glocken, während Katie White irgendeinen Unsinn über Speedy Gonzalez zum Besten gibt. Man muss lachen – jeden normalen Mensch würde die Nummer auf die Palme bringen. Einen weiteren Klaps verpassen uns The Ting Tings mit Ihrer bereits bekannten Nummer ‚  Shut Up And Let Me Go ‚.

Im Gesamten klingt das Ganze nach Einweg-Pop-Hymnen – doch dahinter stecken unzählige Monate der harten Arbeit und am Ende findet das Duo exakt den richtigen Beat und die perfekte Dynamik. Sie hinterlassen hier ein schmackhaftes Stück, dass zu keiner Sekunde um seine Spontanität bangen muss. Eigentlich ist schon diese Tatsache erstaunlich mit Blick in die Vergangenheit. Glichen doch die letzten vier Jahre nach Ihrem Debüt einem Sturzflug. Die Welt wollte mehr von den Ting Tings  und diese gaben nach Ihrer damaligen Tournee den Erwartungen nach und gingen nach Spanien um weitere Songs für das zweite Album einzuspielen. Was danach passierte ist schnell aufgeschrieben: Die produzierten Songs wurden kurzerhand vom Rechner gelöscht, es folgte ein radikaler Schnitt, ein Neuaufbau.

‚ Give It Back ‚ ist womöglich auch ein sichtbares Ergebnis, denn es wirbelt ein exzentrischer Charme durch Lüfte, während der zappelige Garage-Rock den Hörer unwiderstehlich antreibt. Für mich der Höhepunkt zur Albummitte. Ein wenig Funk zieht mit ‚ Soul Killing ‚ vor den aufkeimenden Frühling und dementsprechend unbeschwert auch die folgenden Minuten. Es könnte die nächste Single werden – derartig Radio-freundliche Melodien gibt es ansonsten auf der Platte nicht zu finden. ‚ One By One ‚ zieht dann in die elektronische Richtung, lässt Synthies blubbern und klingt ohne Frage ziemlich inspirationslos. ‚ Day To Day ‚ hat ein ähnliches Problem – es fällt total aus dem Rahmen und könnte von einem Popstar aus den 90er Jahren sein.

Es scheint als wären The Ting Tings mit ‚ Sounds from Nowheresville ‚ auf Identitätssuche. Sie probieren sich aus und rutschen in der zweiten Albumhälfte in die Durchschnittlichkeit. Wollte das Duo die Charts meiden – das Unterfangen ist geglückt. Aus dem Debüt ist nicht mehr viel geblieben, stattdessen zeigt die Vielfalt hier alle möglichen Wege für die Zukunft. Das Stichwort „Playlist“ passt zu den neuen Songs am Besten, eine Zusammenstellung von Singles. Man kann eigentlich nur hoffen, das mit dieser Befremdung die Überlebenschancen mit einem dritten Werk nicht vollkommen ausradiert wurden…