Hannah Diamond – Reflections

Das Debüt der Popkünstlerin Hannah Diamond aus London ist endlich auf dem englischen Label PC Musik erschienen. Begleitet von der hochaktuellen, sorgfältig programmierten Produktion von Labelchef A.G. Cook (in Zusammenarbeit mit easyFun) ist Diamond’s Interpretation der Popmusik genauso beeindruckend wie zu Beginn des Jahrzehnts, als sie erstmals für hohe Wellen auf dem Label sorgte. Das bedeutet konkret für den Einzelnen, wenn kein Interesse an den zuckersüßen Tönen und der schrillen Vokalakrobatik des Projekts besteht, kann „Reflections“ ohne Bedenken ausgesetzt werden. Wenn man dagegen Gefallen an derlei Produktionen findet, sollte „Reflections“ den Gaumen befriedigen.

Es ist zugleich eine ergreifende Ergänzung zu Caroline Polachek’s kürzlich gefeiertem Album. Wo Polachek gelehrt und poetisch ist, ist Diamant beinahe fantasielos; Wo Polachek’s Gesang erstaunlich gekonnt in luftige Höhen aufsteigt, ist die Stimme Diamond’s eher als naiv zu werten, die wie ein junges Mädchen in ihrem Schlafzimmer vor sich hin singt und das mit bewusst einfachen Texten. “You said let’s kiss / I said nothing / maybe I should / have said something”. Der melancholische Effekt wird durch die Art von Kinderreim-Melodien verstärkt, die in Trance-Hits verwendet werden, und tatsächlich gibt es in „Concrete Angel“ einen brillant – aber nicht weniger traurigen – Club-Banger.

Enttäuschend ist leider die Tatsache, dass mehr als die Hälfte dieser zehn Titel schon seit einiger Zeit im Internet schweben – einige seit Jahren. Nach so langem Warten wäre es schön gewesen, mehr neues Material zu haben. Es gibt jedoch nichts Vergleichbares und da Diamond das Aushängeschild des Labels ist, muss es einen erheblichen Druck auf Diamond gegeben haben, mit diesem Album zu liefern, und sie tut dies größtenteils mit „Reflections“ – es klingt wirklich wie Popmusik der Zukunft.