Milo Greene – Milo Greene

„Vier von uns waren in unseren vorherigen Projekten Lead-Singer“, erklärt Arnett. „Dementsprechend haben wir keinen Fixpunkt, kein Bandmitglied, das ein dominanter Texter oder Melodien-Entwickler ist. Alles ist MILO.“ Und deshalb würde man wohl auch vergeblich nach nur einem Mann hinter Mile Greene suchen. Denn diese fiktive Figur entspringt der Welt von Robbie Arnett, Graham Fink, Andrew Heringer, Marlana Sheetz und Curtis Marrero. Es gibt nämlich kein Bandmitglied im klassischen Sinn, jeder konnte zu den Aufnahmen alles machen – je nach Lust und Bedarf – und nur einer blieb brav bei seinem Instrument: Schlagzeuger Curtis Marrero. Das also zum Hintergrund einer ansprechenden Neo-Folk Platte mit guter Balance zur Pop-Musik und die mit dem ersten Stück ‚ What’s The Matter ‚ direkt in immense atmosphärische Weiten entschwindet. Für den Hörer bedeutet dies sich gut anzuschnallen und auf den schwebenden Instrumentierungen, in die reichhaltige Fülle prachtvoller Percussions, nostalgischer Melodien und wehmütiger Gesänge einzutauchen. ‚ Silent Way ‚ ist die herzerwärmende Single und ist irgendwie eine dieser scheinbar unspektakulären Erscheinungen im Leben eines jeden, die jedoch später mit nachhaltiger Wirkung für lange Zeit im Gedächtnis verweilen… Co-Produziert von Ryan Headlock (Gossip, Blonde Redhead, Ra Ra Riot) im Bear Creek Studio, einer um 1900 errichteten Farm bei Seattle, präsentieren Mile Greene ein kohärentes Album, dass den Hörer fast unbemerkt von A nach B führt. Manchmal sind es sogar fließende Übergänge und manchmal merkt man es auch gar nicht, dass man sich bereits in einem neuen Stück befindet. Doch dieser Beisatz sollte nur leichte Kritik einer ansonsten starken Platte sein, die letztlich ein markantes Gefühl erzeugt und mit feinen Streicher-Arrangements auf einer Wolke hoch oben über Liebe und das unverfälschte Glück philosophiert. Ein Höhepunkt hier ist zweifelsohne das Stück ‚ 1957 ‚, auch weil es mit unbekümmerter Direktheit und wunderschönen Schichtungen in den Texten zum mehrmaligen Hören einlädt. „You act like you don’t know me/ My god you tempt my anxious mind/ …/ Would it be much better/ If I knew nothing about you/ I’ll go, I’ll go“. Es lässt einen irgendwie zur Ruhe kommen und kurz darauf folgt das beste Beispiel dafür, wie Milo Greene diese nicht hörbaren Übergänge einbauen. Ein anderes Beispiel für unwiderstehliche Melodien ist dagegen ‚ Take A Step ‚ mit seinen eingängigen Gitarrenläufen. Letztlich liegt der Kritikpunkt in den beständig wiederkehrenden, instrumentalen Zwischenspielen, die das gleichnamige Debüt nur unötig in die Länge ziehen. Ansonsten kann man diesem fiktiven Charakter, der wahrscheinlich britisch ist wie die Band vermutet, aber keine weiteren Vorwürfe machen. Man könnten der Komplexität Ihrer Klangstrukturen ewig zuhören, während ein zauberhafter Regen in subtilen Farben vom Himmel purzelt und gleichzeitig den Hörer nach dem letzten Stück ‚ Autumn Tree ‚ sanft auf den Boden setzt und damit die kathartische Reise durch die verschwommenen Weiten für’s Erste beendet.