Grinderman – Grinderman 2

In diesen Tagen erscheint also das zweite Album von Grinderman, der Band von Nick Cave, Warren Ellis, Jim Sclavunos und Marty P. Casey. Das Album mit dem vielversprechenden wie pragmatischen Titel ‘ Grinderman 2 ‘ ist 2009 in London von Grinderman und Nick Launay produziert worden – der bereits 2007 das Vorgängeralbum Co-produziert und abgemischt hat. Mit dem neuen Album im Gepäck gehen Grinderman ab September auf eine ausgedehnte Europatour. Doch wird die neue Platte überhaupt die hohen Anforderungen gegenüber des Debütalbums erfüllen können? Den ersten Eindruck schenkten uns Grinderman mit Ihrer Single ‚ Heathen Child ‘ und dem wenig appetitlich wirkenden Cover dazu (zu sehen ist darauf eine weibliche Zombie-artige Blutsaugerin mit langen roten Haaren und einem blutgefüllten Mund). Musikalisch erfüllt der Track in den anfänglichen Sekunden auch das verstörende Bild durch zungenspaltender Riffs, die unvermittelt zwischen den Strophen alles in kleine Fetzen reißen. Am Ende der knappen fünf Minuten darf man sich aber dennoch die Frage stellen, was ‚ Heathen Child ‚ nun eigentlich hätte darstellen sollen? Der Song hat kein Ziel vor Augen, irrt vielmehr durch eine psychedelische Vision umher und läuft dabei orientierungslos durch endlose Wüstenlandschaften. Schlussendlich wird niemand den Anspruch erheben, ‚ Heathen Child ‚ ein zweites Mal hören zu müssen. ‚ Mickey Mouse And The Goodbye Man ‚ gelingt dagegen alles um ein vielfaches Besser: Der schmutzige, alte Mann Nick Cave lacht hier über grollende Agressionen, verprügelt das stampfende Schlagzeug und bedient seine Gitarre mit Riffs, die scheinbar dem Fegefeuer entflohen sind. Die Erinnerungen zu seiner Debütplatte aus dem Jahr 2007 werden wach, wo Grinderman als Projekt neben seiner eigentlichen Karriere gestartet wurde. Auch bei ‚ Grinderman 2 ‚ wälzen sich die alten Herrschaften durch 60s Garage Punk und Krautrock verpackt im Blues. ‚ Wormer Tamer ‚ verpasst dem Trash durch seine spannende Dynamik eine interessante Duftnote, deren Lyrics sich jedoch als dumme Witze entpuppen: „My baby calls me the Loch Ness monster/ Two great big humps and then I’m gone“. Geigen geleiten sanft im Hintergrund das vierte Stück ‚ When My Baby Comes ‚ durch atemberaubende Felslandschaften. Inhaltlich beschäftigt sich Cave die meiste Zeit über mit Stalking, Vergewaltigungen und Mord. In ‚ Evil ‚ stürtzen erstmal sämtliche Gemäuer über unseren Köpfen zusammen, ein Soundgewitter presst sich in drei Minuten durch unsere Boxen und nach Beendigung dieses sinnflutigen Überfalls, wird sich ein verdutzter Blick nicht vermeiden lassen. Der einstige Auftrag von Grinderman, die musikalisch Bösswilligkeit in vollen Zügen auszuleben und der Jugend zu zeigen, wie gefährlicher und hinterhältiger Rock’n’Roll tatsächlich funktioniert, klappt auf dem zweiten Werk leider nicht mehr. Dafür beweisen Grinderman andere Qualitäten, nämlich im altersgemäßigten Stil, wie im Stück ‚ Palaces Of Montezuma ‚ und im abschließenden ‚ Bellringer Blues ‚. Doch eines müssen sich Grinderman bewusst machen: Ihre Zeit für dreckigen Rock’n’Roll ist mit der zweiten Platte nun definitiv abgelaufen. Diese Hoheitsgebiete gehören anderen, wie eben den unvergleichlichen Liars – die übrigens auch bei dem Label Mute unter Vertrag stehen.