DIIV – Deceiver

Zachary Cole Smith hat Nirvana immer als einen wichtigen Einflussfaktor genannt: Er spricht in Interviews darüber und sieht sogar ein bisschen aus wie Kurt Cobain (zumindest, wenn er sich die Haare wachsen lässt). Trotzdem hat DIIV noch nie besonders nach Nirvana geklungen – bis jetzt. Das dritte Album der Band integriert die knackige Palette von Grunge in ihre gewohnten, nachhallenden Shoegaze-Klanglandschaften. Smith’s leiser, seufzender Gesang ist immer noch purer Dream Pop, aber jetzt entlehnt er seine verzerrten Riffs und laut-leise-lauten Strukturen dem Alt-Rock. Man sollte sich hierzu einfach die herausragende Single „Blankenship“ anhören: Der sprudelnde Rhythmus und die flüssigen Arpeggios ist klassisch DIIV, aber sie entweichen dieses Mal unerwartet brodelnden Gitarren.

Die breitere, dynamischere Klangstruktur in „Deceiver“ ist eine der augenscheinlichsten Verbesserungen gegenüber früheren Aufzeichnungen mit einem klaren Ansatz, der Sterilität vermeidet. „Blankenship“, einer der energischeren Songs des Albums, fühlt sich wie ein finsteres Gegenstück zu ihrem herausragenden Hit „Under the Sun“ von „Is the Is Are“ an. Der epische Schlusspunkt des Albums ist „Acheron“. Der Sound passt zum Spektrum von Blackgaze-Zeitgenossen wie Deafheaven, mit denen DIIV tourten, ohne jedoch die Schwelle zum Metal zu überschreiten. Nichtsdestotrotz spricht die üppige, manchmal vernichtende Instrumentierung für die entmutigende Aufgabe, die Cole durchmachen musste, um sich selbst wieder herzustellen. 

Es gibt Augenblicke der alten melodischen Gitarre, vor allem auf dem wehmütig hübschen „Between Tides“, aber an anderer Stelle scheint der Schwerpunkt darauf zu liegen, Ordnung aus dem Chaos von „Is the Is Are“ zu ziehen, indem man sich auf schwerere Klänge als je zuvor konzentriert. Anderswo haben „Like Before You Were Born“ und „For the Guilty“ stürmische Explosionen, die den Mittelweg zwischen Grunge und My Bloody Valentine finden. Zwischen den Wogen von DIIV’s kolossalen Instrumenten gibt es aufrichtige Einblicke in Cole’s Prozess, vergangene Konflikte loszulassen und die Heilung beginnen zu lassen. Es ist ein unaufhörlicher Prozess, aber er beginnt hier.