Eine von warmer Nostalgie durchströmte Reise zurück in die glorreichen Tage des britischen Mod-Pop bereichert das Spätwerk von GRAHAM COXON mit bittersüßen Melodien. Das verloren geglaubte Album offenbart eine überraschend sanfte Facette seiner kreativen Identität.
Ein Blick auf das Gesamtwerk offenbart eine deutliche Zäsur, die nun durch eine historische Korrektur eine unerwartete Nuancierung erfährt. Während die im selben Zeitraum entstandenen Aufnahmen des Vorgängers die kompromisslose, bisweilen rabiate Abkehr von klassischen Pop-Strukturen suchten, markiert das lange unter Verschluss gehaltene Material eine bewusste Hinwendung zu traditionellen Songwriting-Formen. Graham Coxon bricht mit den Erwartungen an den gewohnten Indie-Lärm, um sich stattdessen in die Traditionslinien britischer Pop-Historie einzuschreiben. Diese stilistische Akzentuierung markiert eine Rückbesinnung auf die melodiöse Leichtigkeit, die phasenweise hinter rauen Texturen verschwunden war.
Das vierteilige Postkarten-Design des Artworks fungiert hierbei als visuelle Entsprechung einer inszenierten Sehnsucht, die das Verhältnis von nostalgischer Pose und künstlerischer Authentizität verhandelt. Die vergilbte Ästhetik englischer Parkanlagen illustriert keine reale Geografie, sondern eine bewusste Künstlichkeit, unter deren Oberfläche die vertrauten Brüche lauern. Gemeinsam mit Produzent Ben Hillier isoliert der Musiker den Geist der Sechzigerjahre, wobei die scheinbare Idylle stets von einer distanzierten Melancholie getragen wird. Diese Produktionstechnik rückt das Werk in die Nähe früherer Alben wie „Happiness In Magazines“, entfernt sich aber durch eine trockenere, fast intime Rhythmusarbeit von deren hymnischer Dringlichkeit.
Die thematischen Kontinuitäten zeigen sich vor allem in der Konstruktion der Charaktere, die durch die vorliegenden Texte eine analytische Schärfe erhalten. In der Vorabsingle „Billy Says“ entwirft das Songwriting das Bild einer interpersonalen Täuschung: „He’s feeding you a lie / Forever, forever“. Diese Motivik des Kontrollverlusts und der Isolation zieht sich als roter Faden durch die gesamte Laufzeit. Auch das lakonische „Forget Today“ greift diese Entfremdung auf, wenn die Frage nach dem Rückzugsort gestellt wird. Musikalisch flankiert wird diese inhaltliche Schwere von erstaunlich hellen Arrangements. In „There’s a little house“ evoziert ein Duett mit Lucy Parnell harmonische Strukturen im Stile klassischer Spätsechziger-Formationen, während die Violine in „Mélodie pour Christine“ kinohafte Konturen zeichnet. Die harmonische Dichte von „Easy“ verweist auf die fortlaufende Beschäftigung mit akustischen Folk-Traditionen, bricht diese aber durch pointierte Gitarrensplitter auf.
Die Veröffentlichung fügt sich exklusiv als ein retardierendes Moment in eine Diskografie ein, die sich über Jahrzehnte zwischen noisiger Verweigerung und popkultureller Zugänglichkeit bewegte. Durch die Integration dieser verloren geglaubten Aufnahmen verschiebt sich die Wahrnehmung der kreativen Phase des Jahres 2011, da das Werk die vermeintlich geradlinige Entwicklung hin zu düsteren Post-Punk-Formen nachträglich aufbricht und eine parallele, tief im Mod-Sound verwurzelte Traditionslinie als gleichwertigen künstlerischen Entwurf etabliert.
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