Düstere Raumschiff-Frequenzen treffen auf hypnotischen Club-Pragmatismus: Wie ELLEN ALLIEN mit AURAA das Konzept der galaktischen Isolation ins Rave-Zeitalter übersetzt.
Das rhythmische Atmen zu Beginn von „Hello Planet Earth (Breath Mix)“ wirkt keineswegs wie der Entwurf einer organischen Menschlichkeit, sondern wie eine streng kalkulierte Belüftungssimulation. Aus dieser sterilen Rahmung erwächst eine mechanische Choreografie, die das Unbehagen an der physischen Distanz nicht auflöst, sondern in eine hochpräzise, fast klaustrophobische Ordnung überführt. Ellen Allien nutzt die Stimme hier nicht als emotive Brücke, sondern als kühles, prozessiertes Instrument, das sich flach an die sequenzierten Arpeggios schmiegt. Das visuelle Motiv des Artworks – die schwebende, metallisch glänzende Entfremdung vor gleißendem Rot – formuliert genau jenen Zustand, in dem sich der Körper von der clubkulturellen Verankerung löst und als isolierter Fremdkörper im Raum stehen bleibt.
Die ästhetische Grundsatzentscheidung dieses Albums ist die Verweigerung der Befreiung. Anstatt auf die gewohnte kollektive Ekstase zu setzen, verengt sich die Klangarchitektur auf harte, repetitive Grundmuster. In „Walking In The Dark“ drängt sich die repetitive Textzeile „Walking in the dark / Like the machine“ direkt unter den metallischen Puls und reduziert das menschliche Subjekt vollends auf die Funktion eines mechanischen Rädchens. Die Produktion von Ellen Allien, bei der Pablo Mateo Sanchez beim Co-Produzieren und Mischen assistierte, verwehrt sich jeglicher atmosphärischen Erweichung; sie baut stattdessen eine dichte, beinahe undurchdringliche Wand aus analogen Oszillationen auf, die den Raum komplett vermisst und absperrt.
Das Stück „Human“ liefert schlussendlich das analytische Zentrum dieser Verweigerungshaltung. Wenn dort die reduzierten Vocals die Bruchstücke „Global home / Social distancing / Human fail“ artikulieren, wird die Entfremdung nicht als melancholisches Drama inszeniert, sondern als mathematisches Ergebnis einer gescheiterten Interaktion verbucht. Die Synthesizer verharren in flächigen, unauflösbaren Dronen, ohne je in eine tragende Hookline auszubrechen. Die Platte verhandelt den Verlust des physischen Raums somit nicht über Klage, sondern über die radikale Verdichtung der verbleibenden, kalten Frequenzen.
Nach dem direkten Vorgänger „Alientronic“ verfestigt dieses Album eine klare ästhetische Verschiebung innerhalb von Allien’s Diskografie. Die aus früheren Dekaden bekannten, teils verspielten Pop-Fragmente und breiter gestreuten IDM-Einflüsse weichen nun endgültig einer stark fokussierten, fast industriellen Funktionalität. Die Entwicklung zeigt eine Künstlerin, die ihre Klangsprache immer weiter auf das unnachgiebige Fundament des Berliner Techno-Erbes verengt hat, ohne dabei Raum für unverbindliche Experimente zu lassen.
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