Sanfte Klavierläufe und eine beinahe unheimliche Ruhe hüllen das neue Werk von ALDOUS HARDING in ein Gewand aus trügerischer Vertrautheit. Die neuseeländische Künstlerin entwirft auf DESIGNER eine Welt, in der die Schönheit der Melodien permanent gegen die Rätselhaftigkeit der Texte arbeitet und so eine faszinierende Reibung erzeugt.
Ein einzelner, gedämpfter Schlag auf die Conga markiert den Herzschlag, bevor die akustische Gitarre übernimmt. Es ist diese auffallende rhythmische Zurückhaltung, die den Raum für eine Stimme öffnet, die sich auf ihrem dritten Album „Designer“ endgültig jeder eindeutigen Verortung entzieht. Aldous Harding singt nicht mehr nur; sie inszeniert Vokale als taktile Objekte, dehnt Silben bis zur Unkenntlichkeit und wechselt die Klangfarbe ihrer Stimme mit einer Beiläufigkeit, die jede emotionale Eindeutigkeit unterwandert. Wo frühere Aufnahmen noch eine gewisse folkige Sprödigkeit atmeten, herrscht hier eine beunruhigende klangliche Wärme vor, die das Unbehagen lediglich besser camoufliert.
Das visuelle Statement des Covers radikalisiert diese künstliche Distanz. Der Schriftzug, der sich wie ein architektonisches Skelett über die Leere schiebt, verweigert die Abbildung der Künstlerin und ersetzt Präsenz durch Konstruktion. Es ist die grafische Entsprechung zu einer Musik, die sich zwar dem Pop öffnet, dabei aber die Mechanismen der Identifikation konsequent sabotiert. Harding bietet keine Projektionsfläche an, sondern eine Struktur, in der das „Ich“ nur noch als formales Element existiert. Diese bewusste Künstlichkeit korrespondiert mit der Produktion von John Parish, der jedes Instrument mit einer Klarheit platziert, die beinahe klinisch wirkt, wäre da nicht diese seltsame, fast lyserge Trägheit in den Arrangements.
„You can’t be pure and in love“, konstatiert die Künstlerin im Eröffnungsstück „Fixture Picture“ mit einer Sanftheit, die den Gehalt der Zeile beinahe unsichtbar macht. Die Lyrics auf diesem Album funktionieren nicht als Bekenntnis, sondern als kryptisches Material, das eher physikalische Zustände als narrative Zusammenhänge beschreibt. In „The Barrel“ etwa wird die Sprache zum Hindernislauf: „Show the ferret to the egg, I’m not getting led along.“ Es ist eine Poesie der Verweigerung, die sich dem Verstehen entzieht und stattdessen eine Atmosphäre der ständigen Latenz erzeugt. Das Gefühl, dass hinter der nächsten Melodiewendung eine dunkle Wahrheit wartet, die jedoch niemals ausgesprochen wird.
Die strukturelle Stärke von „Designer“ liegt in der Balance zwischen dieser lyrischen Undurchdringlichkeit und einer musikalischen Zugänglichkeit, die an die Eleganz von Leslie Feist erinnert. In „Zoo Eyes“ kippt die Idylle schließlich in eine fast theatrale Form des Unheimlichen, wenn Harding fragt, was sie eigentlich in Dubai mache, während die Musik in sanften Wellen weiterschwingt. Es ist dieses konstante Auseinanderklaffen von Form und Inhalt, das dieses Album so zwingend macht. Harding hat die Manierismen der Vergangenheit nicht abgelegt, sondern sie in ein System überführt, das Schönheit als Maske nutzt, um die vollkommene Isolation des Individuums zu verhandeln.
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