Let’s Eat Grandma – I, Gemini

Mit dem eröffnenden Stück „Deep Six Textbook“ präsentieren uns die beiden Mädels von Let’s Eat Grandma einem Track, der sowohl düster als auch optimistisch ist und damit den vorherrschenden Ton für das Album setzt. Dazu tänzelt sich wohltuende Psychedelica durch eine Welt der eigenen Kreation des Duos. „I, Gemini“ ist zugleich auffallend dissonant und widerlich süß. Das jugendliche Duo erkundet die alptraumhaften Spinnereien von Kinderreimen und Volksmärchen mit einem deutlich englischen Flair.

Jenny Hollingworth und Rosa Walton spielen dazu alle Instrumente selbst, darunter Blechbläser, Holzbläser, Piano, Schlagzeug und Gitarren. Das alles zusammen führt zu einer musikalischen Freiheit in den einzelnen Songs, die oft in einem Stil beginnen, bevor sie sich irgendwo völlig unerwartet hinbewegen. „Sax in the City“ ist so ein Beispiel. Wir hören anfänglich ein Seemannslied, bevor es mit der Zeile „Tell me something interesting“ aufhört und ein brilliant wuchtiges Saxophon es zu einem Popsong mit rohen Kräften mutieren lässt.

Trotz ihrer agnostischen Herangehensweise an das Genre verschmelzen die Songs nahtlos miteinander. Das Ergebnis: „Eat Shiitake Mushrooms“ mit seinem euphorischen House-Music-Beat fühlt sich bei den eher barocken Songs überhaupt nicht fehl am Platz an. Nach einer berauschenden Reise ist das abschließende „Uke 6 Textbook“ der verspielteste Moment hier. Eine schnellere, abgespeckte Version von „Deep Six Textbook“, bestückt mit ihren Stimmen, Glockenspiel und Ukulele.

So ist „I, Gemini“ ein weit gespannter, beeindruckender musikalischer Bogen, dessen Pfeilspitze von einer märchenhaften Reinheit und einer fast bösartigen Dunkelheit jeden verzaubert, der von ihm getroffen wird.

7.7