Deerhunter – Why Hasn’t Everything Already Disappeared?

Als ich Deerhunter vor knapp zehn Jahren entdeckte, war die Band um Sänger Bradford Cox der nebeligen rosafarbenen Nostalgie verfallen. Dieser rosige Hauch verschwand allerdings mit dem siebten Album „Fading Fontier“ und auch auf dem nun erschienen achten Album „Why Hasn’t Everything Already Disappeared?“ hat sich dieser Weggang merklich verstärkt. Das Grundgerüst bleibt es dennoch: Aus der Nostalgie geboren, hören wir auf dem neuen Album eine fatalistische Zukunftsvision, die sich trocken und schimmernd mit nachdenklichen Meditationen über die Zerstörung, sowohl des menschlichen Lebens als auch der Natur selbst, beschäftigt.

Die Band klingt in ihren neuen Songs oft sanft, aber auch aggressiv und klaustrophobisch wie auf „Monomania“. Eine aus meiner Sicht perfekte Mischung. Das eröffnende Stück „Death In Midsummer“ würdigt die Erinnerungen verstorbener Freunde mit stumpf schlagendem Cembalo und Schlagzeug. Ein entfernt klingelndes Klavier und ein schlichtes Gitarrensolo verstärken die Illusion, dass „Death In Midsummer“ auf der Bühne genauso verstörend klingend mag, wie aus der tief schwarzen Stille eines Sarges. Hypnotische Melodien wirbeln im weiteren Verlauf, die von den langjährigen Mitgliedern Lockett Pundt und Moses Archuleta mit großartigen Arrangements verfeinert werden. Instrumentals wie „Greenpoint Gothic“ und das weitläufige Outro von „Nocturne“ bleiben dennoch beklemmend, fokussiert und fangen die anhaltende Angst kompromisslos ein, die die Platte zu jedem Moment durchdringt.

Persönlich sehr gut gefällt mir auch das kaskadierende Piano von „What Happens to People“ oder die geradezu tanzbare synthetische Bassline auf „Plains“. An erfinderischen Eigenheiten fehlt es dem Album wahrlich nicht. „Why Hasn’t Everything Already Disappeared?“ spielt unter einem vergifteten Himmel und auf einem unfruchtbaren Boden. Der Zwischenraum löst ein verzehrendes Unbehagen aus, das nur gelegentlich durch kurze hoffnungsvolle Momente unterbrochen wird. Deerhunter haben sich aufgemacht und beschreiten mit dem achten Album eine spannende und nebulöse neue Ära.