Peggy Sue – Acrobats

Als im letzten Jahr die allumfassende Mumfordisierung des British Folk über die Grenzen wehte, wurden Peggy Sue dabei leider über Bord gespült. Doch Rosa, Katy und Olly haben es auch ohne fremde Hilfe an das rettende Ufer geschafft und präsentieren nun mit ‚ Acrobats ‚ eine Platte, die mit den Attributen „Reife“ und „Entwicklung“ durchaus beschrieben werden darf. Natürlich sind diese Begriffe nicht immer verdient und oftmals bewirken diese Formulierungen eine Verschiebung in Sicht des eigenen Sounds. Aber im Fall von Peggy Sue, die im letzten Jahr mit ‚ Fossils and Other Phantoms ‚ großartiges vollbrachten, ist das zweite Werk ‚ Acrobats ‚ ein unübersehbarer Fortschritt und damit in seiner Gesamtheit ein würdiges Endprodukt. Einer dieser wichtigen Schritte zur Veränderungen ist die entdeckte Vorliebe für elektronische Kilometer in Richtung des kreativen Horizonts. Single und Opener ‚ Cut My Teeth ‚ eröffnet das neue Album mit sechs Minuten voller bitterer, beklagender und knurrender Gitarren, während ‚ Song & Dance ‚ zwar mit dem Hörer nicht so deutlich in dramatische Intensitäten einbricht, aber nicht weniger brillant mit den läutenden Gitarren und dem bluesigen Refrain verzaubert. Etwas das nicht geändert wurde (glücklicherweise) sind die teils schiefen Gesänge und auch der Vollzeit-Schlagzeuger Olly Joyce überzeugt mit trickreichen und rhythmischen Variationen, vertraut oftmals seinem Instinkt und strahlt nicht selten positive Dominanz aus. Sehr deutlich wird es das erste Mal mit dem dritten Stück ‚ Funeral Beat ‚ in dem sich das Schlagzeug leise von hinten an die Melodien heranschleicht. ‚ Boxes ‚ spielt mit geisterhaften Verzerrungen und eingängigen Empfindlichkeiten, ‚ Changed And Waiting ‚ schlängelt sich von Anfang bis Ende durch apokalyptische Spiralen und Gitarren jagen den wunderschönen Gesängen hinterher. Eine entfesselte Wut prasselt in ‚ All We’ll Keep ‚ auf unsere Köpfe und ‚ D.U.M.B.O. ‚ scheint kurz darauf keine Zeit bei der Flucht verlieren zu wollen. Inspieren ließen sich Peggy Sue von der Musik von Sonic Youth und Breeders, deren Alben sie während der Produktionszeit von ‚ Acrobats ‚ oft hörten. Produziert wurde das Album von John Parish, der bereits mit PJ Harvey und Sparklehouse im Studio war. Doch wirklich spannend gestaltet sich das neue Zusammenspiel zwischen den E-Gitarren und den Stimmen von Slade und Young. Aber auch die langsamen Momente sind goldene Früchte und düstere Erzählungen, wie ‚ Parking Meter Blues ‚ beweist. Hier treffen sich die a cappella Stimmen von Slade und Young: “I kept one eye on the road, and one eye on the clock / the numbers told me so that nothing else had stopped….except you and I” Dazu gesellen sich ein sanftes Glockenspiel und abgehackte Gitarren im Hintergrund. ‚ Shadows ‚ ist noch eine gruselige Geschichte, dominiert von Cello und Violine, bis mit dem abschließenden Track ‚ There Always Was ‚ die Rhythmen ein letztes Mal malträtiert werden, „She sang on just a severed head / no arms, no legs, no mouth to beg“, und endet mit den weinenden Worten, „There’s trouble in my blood, there always was…there always was”. Danach ist plötzlich Schluss. ‚ Acrobats ‚ ist ein konfrontative Charakter, atmet durch die Text und hypnotisiert über die Macht der Musik. Ja durch die Erhöhung der Lautstärke ist aus dem grüblerischen Monster eine entfesselte Bestie geworden, aus dessen Schlund hoffentlich in ein paar Jahren noch ein weiteres Werk den Weg in die Freiheit finden wird.

9.7