Freddie Gibbs & Madlib – Bandana

Freddie Gibbs und Madlib spielen in zwei sehr unterschiedlichen Welten. Ersterer ist ein ruppiger Gangster-Rapper, der in den letzten Tagen im Todestrakt an einen perversen Tupac erinnert. Letzterer ist ein experimenteller Rap-Produzent, der aus Soul-Samples komplizierte Welten kreiert. Doch als diese beiden Herren für das sonnige „Piñata“ 2014 zusammenkamen, geschah etwas Magisches: Das ungleiche Paar produzierte eines der besten Rap-Alben, die jemals über den Verkauf von Kokain veröffentlicht wurden. Aber so brillant „Piñata“ auch war, es war immer noch ein bisschen rau an den Rändern und es gab das Gefühl, dass die beiden noch ein bisschen mehr Zeit gebraucht hätten. Zum Glück wurden alle Kinderkrankheiten für das Nachfolgealbum „Bandana“ ausgeräumt. Es handelt sich um ein engeres, zusammenhängenderes Album, das möglicherweise als das beste Rap-Album des Jahres 2019 in Erinnerung bleibt.

Auf „Bandana“ erreicht Gibbs eine neue Ebene als Texter. Er macht immer noch eine Kunst aus gewalttätigen Bildern, aber jetzt hat er auch eine viel größere philosophische Schärfe entwickelt. Madlib’s Beats bleiben im Gleichgewicht und Gibbs bleibt Gangster, aber diese Platte hat ein lockereres Gefühl, einen Geist der Intuition und Intimität. Im gesamten Aufnahmeprozess ändert sich nicht viel: Madlib produziert Beats und Gibbs klopft diese nach seinen vorstellen – Samples, Breaks und alles. Diesmal machten sie sich jedoch die Mühe, sich im Studio zu treffen und verschiedene Mixe und Edits zu verfeinern und zu kalibrieren. Das Ergebnis ist eine stärkere Wahrnehmung der gegenseitigen Präsenz. Gibbs und Madlib bewegen sich im Gleichschritt und ziehen sich tiefer in die Welten des anderen hinein, um dabei eine neue zu schmieden.

Gibbs und Madlib halten uns in „Bandana“ nichts vor, und fast jede kreative Entscheidung schlägt durch. Mit jedem Sample und jedem Text entsteht eine rauere Welt, in der erfahrene Texter wie Pusha T, Killer Mike, Anderson .Paak, Yasiin Bey und Black Thought die Zuhörer tiefer in ein retro-bewusstes filmisches Universum eintauchen lassen, das sowohl thematisch fesselnd als auch klanglich erfrischend ist. Für „Bandana“ erschließt sich das Duo dieses Erbes und lässt sich von seinen Höhen und Tiefen, seinen Helden und Schurken formen. Sie finden sich im Windschatten des schwarzen Denkens und Lebens wieder und bestimmen den Kurs zu ihren Bedingungen. „Bandana“ ist Tradition und Übertretung: Ein Rapper, ein Produzent, keine Grenzen.