Dave – Psychodrama

Der Rapper, dessen vollständiger Name David Orobosa Omoregi ist, mag vielleicht erst 20 Jahre alt sein, aber er hat ein Leben geführt und beschreibt es hier sehr ausführlich in elf Geschichten, die in Form eines Gesprächs mit einem Therapeuten präsentiert und von Gesprächen mit seinem inhaftierten Bruder inspiriert wurden. Diese behandeln komplexe Themen wie Verlust, Trauer, Kampf und das Ausbalancieren zwischen neu gewonnenem Ruhm und Gelassenheit. Oft begleitet von wunderschönen, stimmungsvollen Piano-Riffs, die er mit viel Fingerspitzengefühl arrangiert, ist Daves‘ lyrische Darbietung unvergleichlich für alle anderen in der britischen Szene. Er befasst sich nicht mit den irrsinnigen Reimmustern wie beispielsweise ein Kendrick Lamar, aber Daves‘ Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, entspricht zweifelsohne diesem hohen Standard.

Beim Opener „Psycho“ diskutiert er Fragen rund um die psychische Gesundheit: „I’m probably battling with manic depression / Man I think I’m going mad again / It’s like I’m happy for a second then I’m sad again“. Auf „Lesley“ erzählt er über 10 Minuten lang von einer Frau, die er in einem Zug getroffen hat und Opfer eines Missbrauchs wurde. Noch härter ist „Drama“, der letzte Track, der mit einer Aufzeichnung eines Anrufs bei seinem älteren Bruder im Gefängnis beginnt. Die Emotionen strömen aus Dave heraus, als lagen die Worte bisher in den tiefsten und dunkelsten Winkeln seiner Psyche verborgen. „Years went by I know it’s fucked, I had to hold it up for mummy on my own / and I just lost the only fucking person that I idolised“.

Die meist Piano-geführten Riffs werden durch die federnden Beats von JAE5 auf „Location“ und „Disaster“ aufgebrochen. Diese kurzen Momente geben einem erstickend intensiven Album Raum zum Atmen. „PSYCHODRAMA“ ist kein Album, zu dem man aufstehen und sich freuen kann. Es ist ein Sitzen und Konsumieren, ein Zuhören und Lernen. Dabei lernt man das Blut, den Schweiß und die Tränen, die in dieses Meisterwerk geflossen sind, zu schätzen. Es ist ein überwältigendes und kraftvolles 51-minütiges Album, wie es in diesem Jahr noch nicht veröffentlicht wurde.