The Amazing Snakeheads – Amphetamine Ballads

Es ist fast schon ein wenig das feine Klischee einer Band, die in psychedelischen Gefilden der späten 60er und frühen 70er Jahre Ihr Unwesen treibt, Ihre Musik erstmal nicht in digitaler Form als Download anzubieten. Über Domino Records erschien am letzten Freitag das Debütalbum ‚ Amphetamine Ballads ‚ der The Amazing Snakeheads aus Glasgow. „A monument to the redemptive powers of rock ’n‘ roll – full of rage, romance and dark humour“, heißt es da so vollmundig und tatsächlich erfüllen Dale Barclay, William Coombe und Jordan Hutchinson in den ersten Tracks die hohen Erwartungen Ihrer zahlreichen Anhänger. Mit einem chinesischen Gong und kratzenden Gitarren eröffnen die Snakeheads Ihre Platte und verziehen sich daraufhin in die dunkleste Ecke des Nachtclubs. Wir befinden uns in einer zwielichtigen Gegend, in einer dieser schwach beleuchteten Gassen abseits der Hauptstraße. Man möchte hier nicht alleine unterwegs sein.

Der Geruch von kaltem Rauch und Alkohol durchdringt sämtliche Poren und bildet einen pelzigen Geschmack auf der Zunge. The Green Door Studio in Glasgow war der Aufnahmeort – nachts versteht sich – und so klingt letztlich auch alles auf der Platte. „I’m a Vampire” rotzt uns Dale Barclay zu  spärlich, bluesigen Instrumentierung an die Stirn und erinnert zugleich an die rauen Seiten eines Nick Cave. Aber es ist eben auch dieser spezielle Ansatz des unverkennbaren Glasgower Barclay, der diesen als festes Markenzeichen etabliert. „I’m a Soulsucker“ singt er dann mit inbrünstiger Überzeugung in ‚ Nighttime ‚ und es besteht kein Zweifel daran, dass Barclay diese Worte nicht absolut ernst meinen würde. Er täte uns mit Freuden und einem irren Blick bei lebendigen Leibe verspeisen. Es folgt zu ‚ Swamp Song ‚ ein nahtlos und ziemlich gut getarnter Übergang, erinnern dabei kurzzeitig an die geschätzen Ten Kens und doch verflüchtet sich dieser Ausflüg ebenso schnell, wie der kurze Blick in die tiefen Abgründe zugelassen wurde.

‚ Swamp Song ‚ ist eines der Höhepunkte, ein unheimliches Treiben fabriziert dort der Bass, während Barclay  hier wohl noch mehr Sand als sonst in seine Kehle schüttete. Ein herausragender Track mit beeindruckendem Geräuschniveau. Ähnlich genial gestaltet sich das bekannte ‚ Here It Comes Again ‚. Ein ungestümes Monster bricht mit überraschender Agilität über unsere Köpfe herein und veranstaltet gegen Ende ein wahres Blutgemetzel. Mit ‚ Flatlining ‚ gesellen sich dann neue Instrumentierungen hinzu. Wir hören ein Saxophon und die Mundharmonika, die Tracks werden zugleich langsamer und es wundert einen letztlich auch nicht, weshalb ausgerechnet Domino Records die Jungs holte.  ‚ Amphetamine Ballads ‚ ist ein passendes Debüt, verliert jedoch in der zweiten Albumhälfte deutlich an Durchschlagskraft. Die Songs ziehen sich unnötig in die Länge, stellen das Saxophon in ‚ Memories ‚ noch mehr in den Mittelpunkt und bringen in ‚ Tiger By The Tail ‚ plötzlich weibliche Gesänge zwischen die reduzierten Melodien.

Würde man nur ‚ I’m A Vampire ‚ und daraufhin ‚ Tiger By The Tail ‚ hören – eine sichtbare Verbindung wäre nicht auszumachen. The Amazing Snakeheads beginnen mit großartigen Tracks, verlieren jedoch in der zweiten Hälfte deutlich an Zielstrebigkeit und doch ist das Debüt als Gesamtes ziemlich beeindruckend, wandelbar und auf erschreckender Intensität gebaut. Sie haben sich praktisch für die zweite Platte alle Optionen offen gehalten.