Dan Friel – Total Folklore

Ich will nun wirklich nicht mit ordinärer Ausdrucksweise protzen, aber während den ersten Sekunden zu ‚ Ulysses ‚, dem eröffnenden Stück aus dem Debütalbum ‚ Total Folklore ‚ von Dan Friel, dachte ich mir schlicht, „was für eine verdammte sch…?!“ Danach stellte sich heraus, dass die vermutete Störung der Hörfunktion mit einhergehenden Pfeifgeräuschen, letztlich aus einem Produkt aufgesetzter Kopfhörern und einer überdosierten Laustärke herbeizuführen war. So ein deratiges Empfinden für übernatürliche Krachentwicklung erlebte sich zuletzt in anderer Form auf dem zweiten Thermals Album ‚ Fuckin A ‚ aus dem Jahr 2004. Nachdem der Schreck dann auch meinen letzten Gliedmaßen wieder die Freiheit schenkte, erstreckte sich erstmal der klare Blick auf ein übermächtiges Arsenal Pedalen und Krachmachern. Dan Friel hat sich wohl auf einen längeren Belagerungszustand in unseren Gehörgängen eingestellt. Mit deratiger Bewaffnung sollte dieses Unterfangen jedoch mit Leichtigkeit gelingen. Der Mann von Parts & Labors kreiert mit ‚ Total Folklore ‚ ein urbanes Album, welches den Charakter und das Chaos von Brooklyn elektronisch imitieren soll. Ein Umzug dorthin scheint damit eigentlich für jedermann ausgeschlossen. Nach dem mächtigen ‚ Ulysses ‚ und seinen verzerrten Drum-Sounds, der hämmernden Bassline und den unerwarteten Hakenschlägen, die übrigens vortrefflich eingebaut wurden, entsteht in ‚ Valedictorian ‚ ein schwindelerregender Nervenkitzel, als ob man sich zu dieser rasanten Geschwindigkeit auf dem Kinderkarusell im Kreise dreht. Doch passt auf: spätestens wenn man glaubt zu meinen, die Töne haben sich plötzlich gegen Ende selbst nach oben gezogen – hat man mindestens eine Umdrehung zu viel hingelegt. ‚ Scavengers ‚ wird dagegen von einem stetigen Beat und pulsierenden Synthesizern angetrieben, während ‚ Landslide ‚ eine dichte Klanglandschaft entwickelt, aber dennoch nie das primäre Pop-Ziel aus den Augen verliert. Zwischen die neun neuen Songs packt Friel kurze Unterbrechungen, Improvisationen und field recordings. Abgesehen von den Handyaufnahmen wurde das Album übrigens mit dem 2001 angeschafften Computer mit OS-9 aufgenommen. Das Yamaha Portasound Keyboard ist noch das erste Instrument von 1984 und zeigt das sogleich minimalistische wie nostalgische Konzept. Insgesamt bieten die Songs wirklich jede Menge Unterhaltung für den anspruchsvollen Noise-Liebhaber mit Hang zu „poppigen“ Ausreißern. Und wenn man diese Qualität auch weiterhin von Dan Friel erwarten darf, dann sollte Ihm eine wahrlich fruchtbare Karriere in den nächsten Jahren bevor stehen.