Beep Beep – Business Casual

Es ist der Roadrunner aus den Looney Tunes, der flinke Vogel auf den Wüstenstraßen mit seinem ständigen Verfolger, dem Kojoten Wile E, an den uns die beiden Wörter „Beep, Beep“ erinnern. Jeder kennt diese unterhaltsame Zeichentrickserie aus 50er Jahren, in denen der Roadrunner auch gerne mal selbst „Beep Beep“ genannt wurde. Es mag an dieser Stelle ein wenig kindisch klingen, doch beschreibt es auch die Herangehensweiße der Band aus Omaha, Nebraska. Das situationsbedingte Handeln in den zehn Songs und den Hang, sich auf Bandfotos zu verkleiden. Eine andere Persönlichkeit anzunehmen und mit dieser einfach mal die verrücktesten Geschichten anzustellen. Ob es geklappt hat? Nun, zumindest hatten die Leute von Saddle Creek Records vollstes Vertrauen in das Projekt um Eric Bemberger und Chris Hughes. Ein Label das von Conor Oberst im Jahr 1993 gegründet wurde. Und da sich besonders die kleineren Labels die großen Experimente in finanzieller Hinsicht nicht leisten können, entstand beim ersten Anspielen von ‚ Business Casual ‚ eine wahrnehmbare Spannung. Eine Spannung die so manchen mit dünnen Nervenkostüm nicht liegen mag, immerhin ist das Debüt von Beep Beep kein Album das nebenbei schnell durchgehört werden kann. Es erfordert Aufmerksamkeit, Einfühlvermögen und Neugier. Die Musik darauf ist schwer zu beschreiben. Manchmal ist es Rock mit kleinen Zwischenpassagen Punk und einem betrunkenen Anstrich Psychedelic, oder wie es die Presse bereits formuliert hat: Wire auf Speed. Ein gern genommener Vergleich mit dem Speed, wenngleich keiner so genau weiß, was damit eigentlich genau beschrieben werden soll. Doch egal, hier zählen sowieso andere Werte: Hysterie, schweißtreibende Krawallpassagen, elektroide Spielereien und ausgeschmückte Noisebrocken, das auf der zweiten Hälfte der Platte scheinbar ruhiger wird. Die ungezügelte Leidenschaft weicht melodiösen Hymnen in ‚ Electronic Wolves ‚ und erreichen bei ‚ The Fluorescent Lights ‚ den abschließenden Höhepunkt einem großartigen Gesamtkunstwerk. Doch Moment. War hier nicht noch etwas? Achja, es fehlen noch die beiden Stücke ‚ Vertical Cougar ‚ und ‚ The Threat Of Nature ‚. Selbst für Menschen ohne Rhythmus-Gefühl sind diese Aufgaben eine nicht zu verachtende Herausforderung. Und so muss der Hörer auch vergebens auf die erhoffte Einigung warten. Es sind Stücke die sich gegenseitig ausspielen wollen, fiese Gitarren brechen auf exorpitante Orgeln herab und als ob das nicht schon genug wäre, wurde noch Joel Petersen von The Faint eingeladen. Ja das Debüt ‚ Business Casual ‚ weiß zu unterhalten, die Energien rücksichtslos zu verprassen, denkbar schlechtes Timing in die Stücke einzubauen und das ganze mit einer weiblichen Sinnlichkeit zu überziehen. Wie das alles funktionieren kann und dabei noch gut klingt? Das ist eine Frage, deren Antwort nur ein Satz gerecht werden kann: Diese Platte muss gekauft und selbst erlebt werden.