Clark – Kiri Variations

Clark hat diese elegante, vielseitige Zusammenstellung ins Leben gerufen, die zwischen eindringlicher Klassik und Folktronik, komplexem Sounddesign, brutalen Beats und geräuschvollen Collagen pendelt. Es gibt nur wenige britische Produzenten mit einer kompromissloseren Einstellung als Chris Clark. Auf seiner neuen Platte geht er – der eigenen Intuition widersprechend – einen weiteren berauschenden Schritt vorwärts. Sein letztes Album „Death Peak“ war bereits sehr gewagt und man darf an dieser Stelle auch seinem Label Warp Records ein Kompliment aussprechen, diesem einzigartigen Künstler (wie aber auch Aphex Twin und Oneohtrix Point Never) eine Plattform für diese zeitgenössische elektronische Musik zu bieten.

 

Der Anstoß für das Werk war der Auftrag, die TV-Sendung Kiri zu vertonen, aber letztendlich wurde nur ein kleiner Teil des Werks in der Show verwendet. „Kiri Variations“ vermittelt ein Gefühl der unheimlichen Spannung, das nachdenklich und spannungsaufbauend in unserem Kopf als treibende Kraft brodelnde Verzerrungen und versickernde Bässe einpflanzt. Bei aller Verrücktheit mangelt es hier nicht an unkomplizierter Schönheit. Das wundervolle Zusammenspiel von eingängigen Synth, präpariertem Klavier und abklingenden Streichern in beispielsweise „Simple Homecoming Loop“ erzeugt einen der konventionell schönsten Tracks.

Die allgemeine Stimmung des Albums ist mehr als alles andere eine stille Selbstbeobachtung. Klaviere und Saiteninstrumente sind hier sehr präsent und es kommt häufig vor, dass die Melodien leicht verstimmt oder zeitlich versetzt sind. Genau dieser Ansatz verleiht den Melodien einen kindlichen Charme und gleichzeitig einen übernatürlichen und leicht verstörenden Aspekt. Hervorgehoben wird dies bei „Kiri’s Glee“, einer aufregenden Umkehrung der arkadischen Ästhetik. „Kiri Variations“ erschafft letztlich nicht nur Neues und Originelles, sondern auch Mutiges und Stilles, eingerahmt in einem charmant minimalistischen Ambiente.