SORRY COSPLAY
SORRY entfesseln auf COSPLAY ein surreales Klangtheater, das Pop, Chaos und Identitätskrisen zu einem fiebrig funkelnden Spiegel unserer Gegenwart verschmilzen lässt.
Sorry bleiben ungreifbar. Seit dem Debüt „925“ ziehen Asha Lorenz und Louis O’Bryen mit ihrer Band durch das Labyrinth zwischen Indie, Trip-Hop und dekonstruiertem Rock, als wollten sie die Idee von Pop selbst demaskieren. „COSPLAY“, ihr drittes Album, treibt dieses Spiel in radikale Extreme. Schon die ersten Sekunden von „Echoes“ lassen eine seltsam geisterhafte Spannung entstehen: sanft flirrende Arpeggios kippen in verzerrte Gitarren, während Lorenz mit lakonischer Stimme singt „I think we’re losing now, I think we’re fucking it up“. Diese Zeile ist nicht Pose, sondern Programm. Alles an diesem Album wirkt wie ein performativer Zusammenbruch – präzise inszeniert, zugleich erschütternd echt.
„Jetplane“ sampelt Guided By Voices, verwandelt das Lo-Fi-Erbe in fiebrige Clubenergie. In „Waxwing“ taucht Toni Basil’s Cheerleader-Chor als dunkle Beschwörungsformel wieder auf, von Synthesizern verzogen, als würde Mickey Mouse selbst in einer verzerrten Pop-Realität feststecken. „Life In This Body“ lässt kurz innehalten: Lorenz singt über Vergänglichkeit und Selbstwahrnehmung, beinahe flüsternd, bevor die Musik sich in einem Regen aus Texturen verliert. „JIVE“ schließlich schließt das Album wie ein verzweifelter Tanzritus – industrial, wuchtig, fast martialisch. Hier wird Bewegung zum Überlebensakt, kein Ventil, sondern Widerstand.
Im Zentrum von „COSPLAY“ steht die Idee der Maskierung. Das Cover zeigt eine kleine, porzellanartige Figur unter einem hellen Lichtkreis, umgeben von dem grellbunten Schriftzug des Titels. Kindliche Farben, aber keine kindliche Welt: alles wirkt wie eine künstliche Erinnerung, gebleicht vom Neonlicht. Diese visuelle Überbelichtung spiegelt sich in der Musik, in der Zitat und Original, Ernst und Ironie ineinanderfallen. Sorry schreiben kein Album, das gefallen will, sondern eines, das sich in seine eigene Oberfläche verbeißt – ein Werk von messerscharfer Selbstreflexion.
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