HMLTD – West Of Eden

Es war eine schwierige Zeit für HMLTD. Drei Jahre, in denen sie unter fehlender Wahrnehmung der Öffentlichkeit gegründet wurden, eine kurze Zeit in Amerika waren, in der ihre Support-Slots mit Nine-Inch-Nails abgesagt wurden und einem Label, dass die Band aus London vor Veröffentlichung Ihres Debüts wieder fallen ließ. Kein Wunder, dass HMLTD bisher noch kein Album geschafft haben. Aber „West Of Eden“ ist endlich da, und verdammt, endlich werden HMLTD den Ruhm erlangen, den sie so verdient haben. Sie eröffnen mit einer laufenden Basslinie, über die ein grimmiges Knurren verkündet: “Three years ago I said/ The west is dying right beneath my nose/ And I’ll be so glad when it finally goes/ I hate to say I told you so/ THE WEST IS DEAD.”

Vor ein paar Jahren waren die ausgelassenen Auftritte der größte Spaß, den man haben konnte, wenn man zu viel für warmes Dosenbier bezahlte. Nachdem sie zu Lucky Number umgezogen sind, haben sie endlich ihr Debüt veröffentlicht und einige der Songs aus diesen hektischen Shows finden sich hier wieder – „To the Door“, „Satan, Luella & I“ und „Where’s Joanna?“ – aber es gibt genügend Beweise dafür, dass sie in der Zwischenzeit auch gelernt haben, wie man konventionell strukturierte Popsongs schreibt: „Mikey’s Song“ würde sicherlich auch einen Platz im Radio finden. Dieser ist eine atemberaubende Ballade der Obsession, dessen funkelnden Synthesizer auf einer Schallplatte von Gary Numan oder Depeche Mode genauso gut Platz finden würden.

Am aufregendsten sind sie jedoch, wenn sie Ideen an die Wand werfen und dabei zusehen, wie sie einander verkleben, sich verändern und Neues entstehen lassen: Spaghetti Western, Glam Rock, Goth und Electronic kollidieren und kämpfen fortan um unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Mit einem Titel, der John Steinbeck’s „East Of Eden“ untergräbt und Anspielungen auf die biblische Geschichte von Kain und Able enthält, deuten HMLTD auf einen philosophischen Diskurs hin, der in unseren turbulenten Zeiten relevant zu sein scheint. Sänger Spychalski beschreibt den Westen als “superpower masked by the façade of luxury and equality… a dying corpse stained by its own sins against humanity”. 

Dieses Ouroboros-ähnliche Bild untermauert „West Of Eden“, das vielleicht nur in einem Schmelztiegel aus Aufruhr und Chaos geschmiedet werden konnte. Die Versuche der letzten Jahre stärken das Rückgrat eines Konzeptalbums, das mit kultureller Nachhaltigkeit, Moral und existenziellem Gewicht als esoterischer Prophet des Untergangs nun endlich in Flammen aufgehen kann.