Christina Aguilera – Stripped

STRIPPED ist eine Bewegung in Richtung Hip-Hop, es ist eine Bewegung in Richtung Rock, es ist Ghetto, es ist Disney. Vor allem aber ist es eine Unabhängigkeitserklärung und es beweist, dass CHRISTINA AGUILERA Britney in den Arsch treten würde, wenn sie mit Ihr in den Ring steigen würde.

Auf ihrem zweiten richtigen Studioalbum „Stripped“ gibt Christina Aguilera vor, „die echte“ Christina zu enthüllen, aber wenn dies die echte sie ist, dann ist es alles andere als „gestrippt“. Denn „Stripped“ ist mehr ein Ereignis als ein Album. Von seinen atemberaubenden Zwischenspielen bis zum Rock-R&B-Hybrid „Fighter“ ist „Stripped“ so überproduziert und überarbeitet, dass es leicht als Janet Jackson Album durchgehen könnte. Trotz des großen Dramas beweist Aguilera ihren Standpunkt: Sie ist nicht Britney Spears – und das könnte alles sein, was nötig ist, um den gefürchteten Einbruch im zweiten Jahr zu überwinden.

Wenngleich das Ergebnis äußerst bizarr ercheint und Mariah Carey’s „Glitter“ als modernen Standard für musikalische Verbrennung übertrifft, während es in seiner Fleicheslust mit „The Teaches of Peaches“ konkurriert. Wo Peaches immer die Kontrolle über ihre Sexualität behält und sie gleichermaßen als Waffe und Witz einsetzt, ist Christina überwältigt von der Reaktion anderer auf ihre Sexualität und stellt sie ihrer Stimme gleich, die ein bemerkenswert mächtiges Instrument bleibt. Sie glänzt in den brennenden Balladen wie „Loving Me 4 Me“ und „Walk Away“ und zeigt einen schwülen unteren Bereich und eine geschickte Verwendung der Metapher: „Your love was like candy/Artificially sweet, I was deceived by your wrapping.”

Das Hip-Hop-versengte „Dirrty“ ist das augenblicklich spannendste der ganzen Platte, klingt wie nichts anderes auf „Stripped“ und ist sicherlich einer der interessantesten Songs des Jahres. „Fighter“ ist ein steriler Ausflug in den Rock, und trotz Lil‘ Kim’s Anwesenheit ist die feministische Hymne „Can’t Hold Us Down“ merkwürdig leblos. Durch den Versuch, all die Dinge zu zeigen, die sie kann, seit wir sie das letzte Mal gehört haben, verringert Aguilera die Wirkung der besseren Songs auf der Platte. Stattdessen haben wir zwischen zehn und zwölf mittelmäßige und acht bis zehn gute Songs, die besser als B-Seiten dienen würden. Aguilera ist in ihrem Bestreben, offen und authentisch zu sein, weitaus entkleideter, als irgendjemand sie sehen will. Sie wäre gut beraten, ihre künstlerische Freiheit einzuschränken und den Rat von Plattenmanagern zu befolgen, die es manchmal tatsächlich am besten wissen.

6.8