Chikinki – Brace, Brace

Waren das damals noch fantastische Zeiten, als Trevor Wensely und Boris Exton die ersten Takte in die Keyboards schlugen. So verzerrt und haarsträubend die Synthesizer, so genial auch der Rest auf ‚ Assassinator 13 ‚. Komprimierte Gitarrenriffs, die von Sänger Rupert Browne konsequent in den Boden gesungen wurden, verschafften der gesamten Platte ‚ Lick Your Ticket ‚ einen markanten Avantgarde-Rock-Sound. Verpackt in einem erstaunlich einzigartigen Klangbild, bricht der geneigte Fan noch heute in Lobeshymnen aus und lässt seine Gedanken durch die Zeiten schweifen. Zurück als Chikinki nach unzähligen Singles und EPs, die den hohen Standart auf ‚ Lick Your Ticket ‚ übertragen konnten, noch echte Dauerbrenner waren. Die Band selber bezeichnet ‚ Lick Your Ticket ‚ als Ihr erstes und ‚ Brace Brace ‚ als zweites Album und lassen so die beiden Werke ‚ Experiments With Mother ‚ und die Remix Platte ‚ The Balloon Factory ‚ aus der Chikinki-Diskografie verschwinden. Weshalb ist nicht geklärt aber rein musikalischer Natur wurde auch nicht viel verpasst. Nun ist als mit ‚ Brace, Brace ‚ das offiziell- nicht offizielle zweite Werk der Band im Kasten und sollte nach der Single ‚ You Said ‚ trotz allen Umständen für gewohnt hochwertige Unterhaltung sorgen – denkt man. Doch die Realitäten haben sich wieder einmal verschoben. Wie ein lästiges Insekt Summen die ersten Takte zu ‚ Sunrise ‚ einem um die Ohren. Sogenannter Gute-Laune-Pop nach dem berühmten Schema dämpfen die Vorfreude und man fragt sich: Wo sind eigentlich die Keyboards und Synthesizer abgeblieben? Ganz einfach, die elektronischen Elemente wurden in den Hintergrund verbannt und kommen auf ‚ Brace, Brace ‚ nur noch gezähmt zum Einsatz. Aber mit ‚ You Said ‚ sind die düsteren Gedanken erstmal verschwunden, Chikinki knüpfen an alte Muster an und haben diese auf der Single perfektioniert. Die Melodien sind nun wesentlich eingängiger, direkter und einfacher gehalten. Manchmal stört dies auch kein bisschen, aber da nun die Elektronik nicht mehr so deutlich zu hören ist, verschwinden die fünf Engländer leider auch in den dunklen Weiten des Indie-Rock-Kosmos und landen schlussendlich zusammen mit gleichgesinnten Bands auf einem großen farblosen Haufen. Chikinki haben auf ‚ Brace, Brace ‚ keine absoluten Durchhänger, sondern immer wieder Glanzmomente, die auch die gesamte Platte mit einem Schubs wieder aufrichten können. Einer davon ist ‚ You Said ‚ und ein anderer ‚ Hello Hello ‚. Nach der Hälfte brechen auch diese Stützen auseinander und die Platte sackt immer mehr in sich zusammen. Ohne Halt und ohne Substanz muss Sie dennoch Ihren qualvollen Weg durch acht weitere Tracks fortführen und plötzlich taucht mit ‚ Oh My God ‚ eine völlig unerwartete Rettung am fernen Horizont auf. Überraschendes geschieht oft und so schaffen es Chikinki gerade noch so, sich über die unsichtbare Linie der Durchschnittlichkeit zu retten und wahren sich damit Ihre Möglichkeiten. Doch im Moment befinden sich die befindlichen Arbeiten der fünf Engländer auch weiterhin in Ausführung.